Einzelprofile: Was Berater ihren Kunden erklären sollten
Bei den Zinsen beim Broker unterscheiden sich die einzelnen Anbieter deutlich. Das gilt nicht nur für die Höhe, sondern auch für die Konstruktion dahinter.
Trade Republic hält seit Dezember 2023 eine eigene Vollbanklizenz, über die Trade Republic Bank GmbH. Zudem wird sie von der BaFin und der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt. Das Cash-Guthaben der Kunden verwahrt das Unternehmen dennoch überwiegend treuhänderisch bei externen Partnerbanken. Für den überschießenden Betrag greift zusätzlich ein Geldmarktfonds. Ab welcher Schwelle Trade Republic vom Bankkonto in den Fonds umschichtet, kommuniziert das Unternehmen nach Recherchen mehrerer Fachmedien nicht transparent. Die Schwelle gilt als individuell und veränderlich – genau das war einer der Kritikpunkte der Verbraucherzentrale.
Scalable Capital hat sein Zinsmodell im April 2026 grundlegend umgebaut. Die automatische Verzinsung des normalen Verrechnungskontos endete. Seither müssen Kunden daher aktiv ein neues Tagesgeldkonto eröffnen. Bestandskunden, die das versäumten, verloren ihre Verzinsung ersatzlos. Im kostenlosen FREE-Modell bleibt ein Teil des Geldes im Geldmarktfonds, ohne vollen Einlagenschutz. Nur das kostenpflichtige PRIME+-Abo für 4,99 Euro im Monat verteilt das Guthaben auf bis zu fünf Partnerbanken. Damit erreicht es rechnerisch bis zu 500.000 Euro Einlagenschutz.
Smartbroker+ positioniert sich mit seinem separaten Zinskonto bei der Baader Bank anders: als Anbieter mit vollständiger, klassischer Einlagensicherung, ohne Geldmarktfonds-Konstruktion. Damit ist das im Marktvergleich ein Alleinstellungsmerkmal. Allerdings kursieren in verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben zu möglichen Mindesthandelsaktivitäten als Voraussetzung für die Zinsgutschrift.
comdirect zahlt auf das normale Verrechnungskonto keine Zinsen. Wer zusätzlich von der gesetzlichen Einlagensicherung und der freiwilligen Sicherung des Bankenverbandes profitieren will, muss aktiv werden. Denn Zinsen gibt es nur über das separate Produkt „Tagesgeld PLUS“, mit einem zeitlich befristeten Aktionszins.
flatex zahlt nach aktuellem Kenntnisstand keine Zinsen auf nicht investierte Kassenbestände. Als lizenzierte Bank dürfte das Guthaben bei der flatexDEGIRO Bank AG grundsätzlich unter die gesetzliche Einlagensicherung fallen. Eine explizite öffentliche Bestätigung der genauen Kassenhaltung war allerdings nicht auffindbar. Angesichts des Wettbewerbsdrucks durch verzinste Konkurrenzangebote ist ein Nachziehen nicht ausgeschlossen, aber bislang nicht bestätigt.
Consorsbank dient in diesem Vergleich als Referenz für klassische Direktbanken. Das Institut wirbt aktuell mit befristet hohen Tagesgeldzinsen: 3,40 Prozent für fünf Monate, danach fällt der Zins auf 1,00 Prozent. Das Guthaben ist dabei vollständig einlagengesichert, ohne Geldmarktfonds-Komponente.
Warum das für Berater mehr ist als eine Randnotiz
Für unabhängige Finanzberater, Vermögensverwalter und Fondsvermittler hat der Trade-Republic-Fall zwei Konsequenzen. Zum einen zeigt er: Werbliche Aussagen zur vollständigen Einlagensicherung bei App-Brokern sollten nicht unkritisch übernommen werden. Das gilt weder gegenüber Kunden noch in eigenen Beratungsunterlagen. Wer Mandanten zu Trade Republic oder Scalable Capital als Verwahrort größerer Cash-Bestände rät, sollte die Geldmarktfonds-Komponente daher explizit ansprechen und einordnen können.
Zum anderen macht der Fall die grundsätzliche Absicherungslogik von Geldmarktfonds zu einem Beratungsthema, das über Neobroker hinausreicht. Geldmarktfonds sind als Anlageinstrument nicht per se unseriös. Zudem gelten sie sogar als eine der konservativsten Fondskategorien überhaupt und bieten als Sondervermögen einen soliden Insolvenzschutz. Der Unterschied zur klassischen Bankeinlage liegt daher nicht in der Seriosität, sondern im Rechtscharakter. Eine Bankeinlage ist eine Forderung mit gesetzlich garantiertem Nominalwert bis 100.000 Euro. Ein Fondsanteil dagegen ist Miteigentum an einem Vermögen, dessen Wert leicht schwanken kann. Für Kunden, die bei planbaren fünfstelligen Beträgen Wert auf maximale Rechtssicherheit legen, bleibt die klassische Bankeinlage deshalb der Referenzpunkt. Anders sieht es für Kunden mit größeren, nicht anderweitig investierten Liquiditätsreserven aus. Für sie kann die Streuung über mehrere Konten oder eine bewusste Geldmarktfonds-Beimischung eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative sein. Voraussetzung ist, dass die fehlende Einlagensicherung bekannt ist.
Der Fall zeigt zudem ein aufsichtsrechtliches Muster. Verbraucherzentralen und offenbar auch die BaFin nehmen die Werbepraxis wachsender Neobroker verstärkt unter die Lupe. Für Berater, die auf Haftungssicherheit achten müssen, ist das ein klares Signal: Produktempfehlungen sollten entsprechend dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden. Schließlich ändern sich Konditionen und Rechtslage bei Neobrokern mitunter kurzfristig, wie der Wechsel bei Scalable Capital im April 2026 zeigt. Zinsen beim Broker sind damit kein statisches Auswahlkriterium, sondern ein Faktor, der laufend neu bewertet werden muss.
Checkliste für die Beratungspraxis
Bevor Kunden von attraktiven Zinsen beim Broker profitieren, sollten Berater fünf Punkte klären.
Erstens: Wie hoch ist der Anteil des Guthabens, der als klassische Bankeinlage mit Einlagensicherung gehalten wird? Und ab welchem Betrag greift stattdessen ein Geldmarktfonds?
Zweitens: Wie viele Partnerbanken sind eingebunden? Lässt sich das Guthaben über mehrere Banken verteilen, um den Gesamtschutz zu erhöhen?
Drittens: Ist eine Aktivierung im Kundenportal erforderlich? Läuft diese automatisch weiter, oder muss sie – wie seit April 2026 bei Scalable Capital – aktiv erneuert werden?
Viertens: Gilt der beworbene Zinssatz dauerhaft? Oder handelt es sich um einen befristeten Neukundenbonus, der nach einigen Monaten auf ein deutlich niedrigeres Niveau fällt?
Fünftens: Wie transparent legt der Anbieter die Aufteilung zwischen Bankeinlage und Fondsanteil offen – idealerweise vor und nicht erst nach der Kontoeröffnung?











