Wohneigentum in Ost und West ist unterschiedlich verteilt. In den neuen Bundesländern leben aktuell 60 Prozent der Menschen zur Miete – acht Prozentpunkte mehr als im Westen. Das zeigt eine Studie von Dr. Klein. Für die repräsentative Befragung hat der Baufinanzierungsvermittler gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut horizoom mehr als 2.000 Menschen in Deutschland befragt.
Wie Kindheit und Miete zusammenhängen
Der Blick zurück zeigt einen noch ausgeprägten Unterschied. 58 Prozent der Menschen aus den neuen Bundesländern sind überwiegend zur Miete aufgewachsen. In Westdeutschland wuchsen genauso viele größtenteils im familieneigenen Eigentum auf. Auch aktuell wohnen mehr Menschen im Osten als im Westen zur Miete – 60 zu 52 Prozent.
„Die Wohnbiografien in Ost und West sind historisch gewachsen und unterscheiden sich bis heute“, erklärt Sandro Richardt, Baufinanzierungsspezialist bei Dr. Klein in Eisenach. „In der DDR war privates Wohneigentum seinerzeit zwar möglich, der Immobilienmarkt und insbesondere der Mietwohnungsbau waren jedoch wesentlich stärker staatlich geprägt als in den alten Bundesländern.“
Mieten oder kaufen: Unabhängigkeit als stärkstes Motiv
Beim Wunsch nach Wohneigentum in Ost und West zeigt sich ein gemeinsamer Nenner: die Sehnsucht nach Unabhängigkeit. Im Osten nennen 43 Prozent der Kaufinteressierten diesen Grund als wichtigstes Motiv. Sie wollen sich beispielsweise von steigenden Mieten oder von Vermieterinnen und Vermietern unabhängig machen. Im Westen sind es mit 34 Prozent spürbar weniger. Wie stark sich Mieter im Vergleich zu Eigentümern finanziell belastet fühlen, zeigt auch eine aktuelle Auswertung zu den Wohnkosten in Deutschland.
Ob Eigentum fest zur Lebensplanung gehört, hängt laut Richardt stark von der Persönlichkeit und den jeweiligen Lebensumständen ab. Für andere bedeutet der Kauf eher einen bewussten Ausstieg aus der Miete. Neben dem Vermögensaufbau und der Altersvorsorge zähle der Wunsch nach Eigenständigkeit zu den stärksten Treibern für einen Immobilienkauf.
Sorgen um die Zukunft, Wunsch nach Beratung
Im Westen macht Unsicherheit Kaufinteressierten spürbar mehr zu schaffen als im Osten. 44 Prozent der Westdeutschen mit Kaufwunsch nennen eine ungewisse berufliche oder familiäre Zukunft als Risikofaktor. Im Osten sind es 36 Prozent. Zugleich wünschen sich ostdeutsche Kaufinteressierte häufiger fachkundige Unterstützung. 47 Prozent halten eine Beratung zur Baufinanzierung für besonders hilfreich – neun Prozentpunkte mehr als im Westen.
Wer eine Immobilie über viele Jahre finanziert, will laut Richardt darauf vertrauen können. Die Rate muss sich auch bei veränderten Lebensumständen noch stemmen lassen. Zukunftsängste sollte man deshalb nicht ignorieren. Stattdessen lohnt es sich, verschiedene Szenarien durchzuspielen und ausreichend Puffer im Budget einzuplanen – gerade bei den aktuellen Bauzinsen. Wichtig ist dabei auch, wie Käufer frühzeitig Eigenkapital für die Baufinanzierung aufbauen können, um die Rate abzusichern.
„Eine Baufinanzierung ist für die meisten Menschen eine Entscheidung mit sehr langfristigen finanziellen Folgen. Da müssen alle Parameter zusammenpassen“, erklärt der Spezialist von Dr. Klein. In einer guten Beratung gehe es daher nicht nur um den Vergleich von Konditionen. Entscheidend sei eine solide und individuell passende Finanzierung – wie wichtig eine persönliche Beratungsleistung dabei sein kann, zeigt auch das Interview „Wer nur finanziert, wird austauschbar“ mit einem Experten aus der Baufinanzierungsbranche.
Allein oder gemeinsam: Wer kauft wie?
Auch beim Kauf von Wohneigentum in Ost und West zeigen sich deutliche Unterschiede. 37 Prozent der westdeutschen Eigentümerinnen und Eigentümer haben sich allein für den Kauf entschieden. Im Osten sind es 28 Prozent. Bei den Kaufinteressierten zeigt sich ein ähnliches Muster: 47 Prozent der Westdeutschen können sich einen Alleinkauf vorstellen. Unter den Ostdeutschen sind es zehn Prozentpunkte weniger.
Wohneigentum werde im Osten häufiger als gemeinsames Vorhaben verstanden, ordnet Richardt ein. Dafür könnten neben unterschiedlichen Wohnbiografien auch regionale Immobilienmärkte und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sprechen. Entscheidend bleibe jedoch, dass sich der Schritt ins Eigentum für die jeweilige Person richtig anfühle. Das gelte für den Alleinkauf ebenso wie für den Kauf mit Partnerin beziehungsweise Partner.
Über die Studie
Für die Erhebung befragten Dr. Klein und das Marktforschungsinstitut horizoom bundesweit 2.157 Frauen und Männer online. Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 69 Jahre alt. Als Westdeutschland gelten dabei die alten Bundesländer, als Ostdeutschland die neuen Länder einschließlich Berlin.















