Momentum: Haben Sie starke Nerven?

Die Wurzeln des faktorbasierten Investierens reichen zurück bis in die 30er Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stand dabei immer die Frage, welche Faktoren ausschlaggebend für die Aktienrendite sind. Das in den 1960er Jahren entwickelte Capital Asset Pricing Model (CAPM) erklärte die erwartete Rendite noch ausschließlich mit dem risikolosen Zins und der entsprechend erwarteten Risikoprämie des Aktienmarktes.

Das CAPM ging im Wesentlichen davon aus, dass der Blick auf dieses Marktrisiko, auch „Beta-Faktor“ genannt, ausreiche, um die Aktienrendite zu erklären. In den 1980er und 90er Jahren dann warfen zahlreiche empirische Studien einen Blick auf die Einflussfaktoren, die einen Beitrag zur Erklärung von Aktienrendite liefern könnten. In dieser Zeit entwickelten die beiden US-Wissenschaftlicher Eugene Fama und Kenneth French ihr berühmtes Drei-Faktoren-Modell, mit dem sie eine systematische Erklärung von Aktienrenditen lieferten.

Momentum ergänzt Fama-French-Dreifaktorenmodell

Das Fama-French-Dreifaktorenmodell wird als Erweiterung des CAPM angesehen. Es geht davon aus, dass das Marktrisiko als Faktor nicht ausreicht, um die Aktienrendite zu erklären. Die beiden US-Ökonomen zogen daher als Erklärungsgrößen für Aktienrendite zwei weitere Faktoren hinzu: die Marktkapitalisierung und das Verhältnis von Buchwert und Marktwert.

Im Englischen wurden die drei Faktoren fortan als Beta, Size und Value bezeichnet. Fama und French konnten zeigen, dass ihr Dreifaktorenmodell bessere Schätzergebnisse liefert als das rein marktrisikoorientierte CAPM.

Das Fama-French-Dreifaktorenmodell wurde im Laufe der Jahre mehrfach erweitert. Das Vierfaktorenmodell von Mark Carhart aus dem Jahr 1997 ergänzte das ursprüngliche Modell um einen zusätzlichen Faktor: den Trend einer Aktie in einer bestimmten Periode, das Momentum.

Jörg Westebbe ist Leiter Wholesale Business bei HSBC Global Asset Management (Deutschland)

Foto: HSBC

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe zum Thema Factor Investing, hier kommen Sie zu den schon veröffentlichten Beiträgen:

Factor Investing: Das müssen Investoren beachten

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Warum langweilige Aktien die Rendite steigern

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Stabilität im Anleihen-Portfolio durch Qualitätsfaktoren

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