28. Februar 2017, 07:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Marktwächter auf dem Prüfstand

Marktwächter

Prof. Dr. Hans-Wilhelm Zeidler, Unternehmensberater und Branchenexperte.

Aber noch einmal zurück zu den Zahlen: In der Darstellung der Wächter wurden 10.000 erfasste Vorgänge seit März 2015 gezählt. Dabei ist nicht dargestellt, ob beispielsweise selbst initiierte Befragungen mitgezählt sind. Hält man die Beschwerdezahlen allein des Ombudsmann der Versicherungen dagegen, so schlagen dort seit Jahren ziemlich stabil circa 20.000 abgearbeitete Beschwerden von Verbrauchern pro Jahr zu Buche.

Kooperation zwischen Ombudsmann und Marktwächter?

In diesem Zusammenhang wäre interessant zu wissen, wie eigentlich diese beiden mit durchaus ähnlichem Ziel versehenen Institutionen kooperieren? Wer informiert wen, wer warnt wen – allgemein, wer stellt sicher, dass Synergien generiert werden? Schließlich könnte auch der Ombudsmann von der Systematik und den Erkenntnissen der Marktwächter profitieren.

Darüber hinaus ist trotz Recherchen nicht feststellbar, ob die Installation von Marktwächtern in der Finanzdienstleistungsbranche einen proaktiven Umgang mit eben diesen hervorgebracht hat. Warum auch?

Die Finanzdienstleistungsbranche versucht durch Selbstregulierung frühzeitig die zitierten “schwarzen Schafe” zu brandmarken oder auszusortieren, um den für ihre Geschäfte dringend notwendigen guten Ruf zu wahren.

Daneben etabliert sich die Aufsicht im Finanzdienstleistungssektor, in Deutschland über die BaFin und in der EU über die ESAs (EIOPA, EBA, ESMA), immer mehr als präventiver Überwacher. Unterstützt wird dies durch die aktuelle Gesetzgebung (zum Beispiel IDD, MiFID etc.), welche zusätzliche Governance Anforderungen zur Prüfung der Produktgestaltung, Produkttransparenz oder Zielgruppen einfordert.

Zukunft: Konsolidierung ?

Die Förderung der Marktwächter durch die Bundesregierung läuft 2017 aus. Wie sieht eine Folgefinanzierung aus? Und rechtfertigt das bisherige Ergebnis eine Fortsetzung?

Auch wenn die bisherigen Ergebnisse überschaubar erscheinen, gibt es natürlich keinen Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Frühwarnsystems. Die Frage für die Zukunft ist, wie erreiche ich eine wirksame Koordinierung der verschiedenen Spieler in dem Frühwarn-Verfahren?

Bevor es eine unübersichtliche Vielfalt von Schützern gibt, sollte einer konsolidierten und damit stärker koordinierten Vorgehensweise der Vorrang gegeben werden. Eigentlich ist das die entscheidende Debatte für die Zukunft.

Die Autoren sind Ekkart Kaske, Spezialist für Financial & Governmental Affairs, und Prof. Dr. Hans-Wilhelm Zeidler, Unternehmensberater und Branchenexperte.

Foto: Zeidler Consulting / Shutterstock

Weitere aktuelle Artikel:

Arbeitskraftabsicherung – ein Beratungssumpf?

Fehlerhafte Steuererklärung: Versicherungsbeiträge trotzdem abzugsfähig?

Lebensversicherungen von der Steuer absetzen: Was ist zu beachten?

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Jede zehnte BU wird online abgeschlossen

Mit wenigen Klicks zur neuen Versicherung statt langwierig Papierformulare auszufüllen ist für viele Bundesbürger eine attraktive Alternative. Derzeit werden aber vor allem vergleichsweise einfache Versicherungen mit einem übersichtlichen Leistungsangebot online abgeschlossen. Nichtsdestotrotz setzt sich der Trend fort und die Anzahl von Online-Abschlüssen wächst weiter.

mehr ...

Immobilien

Mietendeckel: Senatorin Lompscher hält an verfassungswidriger Mietbegrenzung fest

Mit ihrem jüngst vorgelegten Eckpunktepapier für ein neues Mietengesetz hält die Berliner Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher (LINKE), weiter an einer verfassungswidrigen Begrenzung der Mieten fest. Danach ist ein solcher, auf fünf Jahre befristeter „Mietendeckel“ für alle nicht preisgebundenen Wohnungen vorgesehen. Damit setzt sich die Senatorin trotz anhaltender Kritik über die eindeutige Zuständigkeit des Bundes für Regelungen im Bereich des Mietpreisrechts hinweg.

mehr ...

Investmentfonds

DWS: Berichte über eine Schwäche des US-Arbeitsmarkts sind stark übertrieben

Zurzeit richten sich wieder einmal alle Augen auf die amerikanische Zentralbank. Deren Ankündigung, drei Jahre nach Beginn der Zinserhöhungen eine Pause einzulegen, trug im Januar 2019 maßgeblich zur Trendwende an den Märkten bei. Als Anfang Mai die erwartete Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China ausblieb und die Märkte daraufhin mit erneuten Kursverlusten reagierten, waren es wieder die Worte von Zentralbankern, die für Beruhigung sorgten.

mehr ...

Berater

Personalmanagement 2025: So wird die Zukunft

Digitalisierung und Automatisierung verändern die Arbeitswelt grundlegend. Das Human Resource Management (HRM) hat die Aufgabe, Unternehmen bei dieser Entwicklung zu begleiten. Darauf sind viele Personalabteilungen aber noch nicht ausreichend vorbereitet. Im Personalmanagement werden der Studie “People Management 2025” zufolge bis zum Jahr 2025 andere HRM-Funktionen wichtiger sein als das klassische Personalmanagement.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lloyd Fonds-HV: Aktionäre stimmen für weiteren Wachstumsschub

Mit einer Präsenz von rund 78 Prozent des Grundkapitals wurden auf der Hauptversammlung der Lloyd Fonds AG alle Beschlüsse zu den 12 Tagesordnungspunkten mit Zustimmungsquoten über 98 Prozent gefasst.

mehr ...

Recht

BFW: Enteignete Unternehmen bauen nicht

Berlin hatte vor einigen Tagen, wie von uns berichtet, als erstes Bundesland die Enteignung von Wohneigentum angekündigt. Aufgrund akuten Wohnungsmangels ist das Thema in den letzten Wochen ganz oben auf der Agenda. Nun meldet sich der auch BFW Landeverband Berlin/Brandenburg dazu und warnt davor, große private Wohnungsunternehmen zu enteignen.

mehr ...