Altersvorsorgedepot 2027: Nur jeder Zehnte will vorgegebene Standardlösung

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Ab 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Förderung - mit offenen Fragen zur Standardlösung.

Nur zehn Prozent der Deutschen wollen beim Altersvorsorgedepot 2027 eine vorgegebene Standardlösung ohne eigene Anlageentscheidung, zeigt eine DIA-Umfrage. 77 Prozent möchten selbst entscheiden - beraten oder unberaten. Was das gut zwei Monate vor dem Marktstart bedeutet.

Nur zehn Prozent der Deutschen würden sich beim Altersvorsorgedepot 2027 für eine vorgegebene Standardlösung ohne eigene Anlageentscheidung entscheiden. Das geht aus einer neuen Erhebung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hervor. Dafür wurden 2.002 in Deutschland lebende Personen ab 18 Jahren online befragt. Die Ergebnisse liegen gut zwei Monate vor dem Start des neuen Fördersystems vor.

Beratung bleibt erste Wahl der Sparer

Die Umfrage zeigt ein klares Muster: 49 Prozent der Befragten ziehen es vor, erst eine Beratung in Anspruch zu nehmen und dann selbst zu entscheiden. Weitere 28 Prozent würden ihr Geld ganz ohne vorherige Beratung anlegen. 13 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe. In Summe möchten somit 77 Prozent selbst über ihre private Altersvorsorge bestimmen - beraten oder unberaten.

„Einfachheit ist ein wichtiges Ziel der Reform. Aber einfach darf nicht mit einheitlich verwechselt werden“, sagt Dr. Peter Schwark, Sprecher des DIA. Und weiter: „Die Menschen wollen mehrheitlich nicht, dass ihnen Anlageentscheidungen vollständig abgenommen werden. Sie möchten Wahlmöglichkeiten und vielfach auch Beratung. Das sollte bei der Umsetzung der Reform eine wichtige Rolle spielen.“

Bevorzugter EntscheidungswegAnteil der Befragten
Beratung, dann eigene Entscheidung49 Prozent
Ohne Beratung selbst entscheiden28 Prozent
Vorgegebene StandardlösungZehn Prozent
Weiß nicht / keine Angabe13 Prozent
Quelle: DIA, INSA Consulere (Umfrage Oktober 2026)

Unterschiede nach Geschlecht und Einkommen

Beim bevorzugten Entscheidungsweg unterscheiden sich Männer und Frauen. Während 32 Prozent der männlichen Befragten ihre Geldanlage ohne vorangehende Beratung eigenständig auswählen würden, liegt dieser Wert bei den Frauen bei 24 Prozent. Im Gegenzug entscheiden sich Frauen etwas öfter für Beratung mit anschließend eigener Entscheidung, nämlich 50 Prozent gegenüber 47 Prozent bei den Männern.

Auch beim Haushaltsnettoeinkommen zeigen sich Unterschiede. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro sprechen sich 35 Prozent für eine Beratung mit anschließender eigener Entscheidung aus. Im Einkommenssegment von 2.000 bis unter 3.000 Euro klettert dieser Wert auf 58 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Unentschlossenheit mit steigendem Einkommen: In der untersten Einkommensgruppe geben 20 Prozent „weiß nicht“ als Antwort, während es ab einem Einkommen von 4.000 Euro lediglich fünf Prozent sind.


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Das Standarddepot unterliegt gesetzlich einer Obergrenze für die Effektivkosten von jährlich maximal 1,0 Prozent. Es setzt sich aus zwei vorab festgelegten Fonds zusammen - einem defensiven und einem wachstumsorientierten -, wobei vor Rentenbeginn automatisch zwischen beiden umgeschichtet wird. Die staatliche Grundförderung liegt bei 50 Prozent der ersten 360 Euro an eigenem Beitrag im Jahr, also maximal 180 Euro. Darüber hinaus werden 25 Prozent auf zusätzliche Beiträge bis zu 1.800 Euro gewährt, also höchstens 360 Euro. Insgesamt sind damit bis zu 540 Euro Jahreszulage möglich.

Anbieter positionieren sich vor dem Marktstart

Erste Anbieter haben ihre Pläne für das Altersvorsorgedepot 2027 bereits konkretisiert. Am 28. September 2026 stellte die Deutsche Bank drei Produkte vor: ein digitales Standarddepot der DWS mit 0,10 Prozent pro Jahr in den ersten zwei Jahren, das anschließend bei 0,28 Prozent liegt, sowie ein beratungsbasiertes DWS-Depot mit 0,99 Prozent pro Jahr sowie zwei Versicherungsprodukte mit Zurich, mit und ohne Garantie.

„Die private Altersvorsorge ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Deshalb setzen wir auf Wahlfreiheit statt Einheitslösungen“, sagt Dominik Hennen, der bei der Deutschen Bank den Bereich Personal Banking Deutschland leitet. Sein Kollege Raffael Gasser, Leiter Wealth Management Deutschland, ergänzt: „Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern.“

Die Allianz hatte bereits am 16. Juni 2026 angekündigt, zum Marktstart am 1. Januar 2027 in sämtlichen drei förderfähigen Kategorien Produkte bereitzustellen: einen Altersvorsorgevertrag mit 80- oder 100-prozentiger Beitragsgarantie, ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie sowie ein Standarddepot, jeweils auf Basis des Fondskonzepts InvestFlex. Dem Allianz Vorsorge Index 2026 zufolge ist lediglich jeder fünfte Bundesbürger der Ansicht, ausreichend fürs Alter vorzusorgen. „Die Reform bringt neue Impulse, und in der öffentlichen Diskussion wird wieder positiv über Altersvorsorge gesprochen“, sagt Ruedi Kubat, Vorstandsvorsitzender der Allianz Lebensversicherung.

Einen Überblick über die Branchenpläne liefert zudem eine Befragung von Anbietern, durchgeführt vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), vom 11. Mai bis 8. Juli 2026. Teilgenommen haben netto 50 Unternehmen, darunter 32 Lebensversicherer, elf Fondsgesellschaften und Asset Manager, fünf Neobroker und Digitalplattformen sowie zwei Kreditinstitute. Von den 36 Anbietern, die konkret ein Angebot planen, setzen 64 Prozent auf ein eigenes Standardprodukt, 25 Prozent auf eines in Kooperation mit anderen. 72 Prozent beabsichtigen, ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie anzubieten.

Was das Altersvorsorgedepot 2027 für die Beratung bedeutet

Mit 49 Prozent bildet die Gruppe „Beratung und anschließend eigene Entscheidung“ in der DIA-Umfrage das größte Segment, deutlich vor der reinen Selbstentscheidung mit 28 Prozent. Dazu sagt Schwark: „Ein kostengünstiges Standardangebot kann den Einstieg erleichtern. Es ersetzt jedoch weder die individuelle Entscheidung noch den Wunsch vieler Menschen nach fachlicher Unterstützung. Für Anbieter, die beides miteinander verbinden, entsteht hier ein wichtiges Betätigungsfeld.“

Die Reform eröffne zudem die Möglichkeit, zusätzliche Bürger für die private Altersvorsorge zu begeistern, so der DIA-Sprecher. Entscheidend werde aber sein, dass sie unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtige.

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