Ein erheblicher Teil der digitalen Vermögenswerte europäischer Anleger entzieht sich der Sicht ihrer Vermögensverwalter. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Coinshares unter 261 Vermögensverwaltern und Beratern in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Demnach geben 25 Prozent der Befragten an, dass mehr als die Hälfte der Krypto-Bestände ihrer Kunden außerhalb ihrer Beratung liegt. Im Vereinigten Königreich beträgt dieser Anteil sogar 52 Prozent.
Coinshares bezeichnet dieses Phänomen als Management-Lücke. Gemeint ist jener Teil des Kundenvermögens in digitalen Assets, der außerhalb der Aufsicht des Beraters gehalten wird und damit weder in die Vermögensplanung noch in das Risikomanagement einfließt. Laut Studie handelt es sich dabei nicht um potenzielle Nachfrage, sondern um bereits bestehende Investments.
Je seltener Berater digitale Vermögenswerte mit ihren Kunden thematisieren, desto größer fällt diese Lücke aus. Unter Beratern, die digitale Assets aktiv empfehlen, berichten knapp zehn Prozent von einer Management-Lücke von mehr als 50 Prozent. Bei Beratern, die sich nach eigener Einschätzung nicht ausreichend informiert fühlen, steigt dieser Anteil auf vier von zehn. Acht Prozent aller Befragten geben zudem an, dass sowohl das Kundeninteresse wächst als auch mehr als die Hälfte der Krypto-Bestände außerhalb ihrer Beratung liegt.
Firmenpolitik bestimmt den Handlungsspielraum
Als wichtigste Ursache identifiziert die Studie die Unternehmenspolitik. 61 Prozent der befragten Berater arbeiten laut Coinshares in Unternehmen, die digitale Vermögenswerte entweder ausdrücklich einschränken oder keine klaren Vorgaben machen.
Entsprechend unterscheiden sich die Handlungsmöglichkeiten deutlich. Während in Unternehmen mit klarer Unterstützung 48 Prozent der Berater digitale Vermögenswerte aktiv empfehlen, sinkt dieser Anteil bei Firmen mit ausdrücklichem Verbot auf ein Prozent. Gleichzeitig wächst die Management-Lücke von vier Prozent auf 34 Prozent. Nach Angaben der Studie empfehlen Berater in unterstützenden Unternehmen digitale Vermögenswerte 4,5-mal häufiger als Kollegen in restriktiven Organisationen.
Auch die häufig genannte Wissenslücke führt Coinshares auf diese Rahmenbedingungen zurück. Mehr als drei Viertel der Berater, die sich für eine Beratung zu wenig informiert fühlen, arbeiten laut Studie in Unternehmen ohne entsprechende Unterstützung oder Schulung.
Jean-Marie Mognetti, Mitgründer und CEO von Coinshares, erklärt: „Die Daten sind unbequem. Sagen wir es offen: In ganz Europa können ein Viertel der Vermögensverwalter die Mehrheit der digitalen Vermögenswerte ihrer Kunden nicht sehen. Im Vereinigten Königreich ist es mehr als die Hälfte. Das Kapital wurde bereits angelegt. Die Menschen, die damit beauftragt sind, können es einfach nicht sehen – und in den meisten Fällen nicht, weil Kunden unwillig sind, sondern weil Firmenpolitik es ihnen verbietet.“
Regulierung und ETPs als wichtigste Hebel
Auf die Frage, was ihr Vertrauen in digitale Vermögenswerte stärken würde, nennen 45 Prozent der Befragten eine regulatorische Anerkennung als etablierte Anlageklasse. Weitere 43 Prozent wünschen sich einen besseren Zugang zu Exchange Traded Products (ETPs). Schulungsangebote für Kunden spielen mit neun Prozent hingegen nur eine untergeordnete Rolle.
Die Studie verweist auf mehrere regulatorische Entwicklungen. So endet am 1. Juli 2026 die MiCA-Übergangsfrist und schafft einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen. In Frankreich prüft die Finanzaufsicht AMF die Zulassung digitaler Vermögenswerte für UCITS-Fonds. Im Vereinigten Königreich hat die FCA vorgeschlagen, autorisierten Fonds Investitionen von bis zu zehn Prozent in Krypto-ETPs zu ermöglichen.
Wenn Berater digitale Vermögenswerte in die Vermögensverwaltung einbeziehen können, bevorzugen sie laut Umfrage regulierte ETPs. Für 73 Prozent der Befragten sind dabei die Expertise und der Track Record des Emittenten wichtiger als niedrige Gebühren. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass regulierte ETPs digitale Vermögenswerte in die Gesamtstrategie eines Kunden integrieren und damit die Management-Lücke deutlich verkleinern können.
Über die Umfrage: Die Ergebnisse basieren auf einem strukturierten Fragebogen, den 261 qualifizierte Vermögensverwalter und -beraterinnen in Frankreich, Deutschland, Italien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich in Q1 2026 ausfüllten – beauftragt von CoinShares und durchgeführt von Citywire Engage. Alle Befragten sind verifizierte Mitglieder des Citywire-Engage-Professionellenpanels mit direkter oder indirekter Verantwortung für Kundeninvestitionsentscheidungen: Finanzberater, diskretionäre Vermögensverwalter, Fondsselektoren, Private Banker, Family-Office-Fachleute und Investitionsberater. Die Umfrage wurde online in der primären Arbeitssprache jedes Befragten durchgeführt, und alle Antworten wurden von Citywire vor Übergabe auf Qualität geprüft. Der vollständige Bericht ist abrufbar unter: coinshares.com/insights/european-advisors-survey/















