Geopolitische Unsicherheiten rund um den USA-Iran-Konflikt hinterlassen Spuren auf dem deutschen Immobilienfinanzierungsmarkt. Das geht aus einer Online-Umfrage hervor, die Von Poll Immobilien im Mai 2026 unter 236 selbständigen Immobilienexperten des Unternehmens durchgeführt hat. Die Ergebnisse zeichnen ein vielschichtiges Bild: Die Mehrheit der Befragten beobachtet verschlechterte Finanzierungsbedingungen – gleichzeitig zeigen die Daten, dass Finanzierungen nach wie vor möglich sind.
49,8 Prozent der befragten Makler berichten seit den jüngsten geopolitischen Spannungen von einer etwas schwierigeren Finanzierbarkeit für Kaufinteressenten, 31,3 Prozent beobachten sogar eine deutlich schwierigere Situation. Lediglich 18,5 Prozent registrieren keine wesentlichen Veränderungen, und nur 0,5 Prozent sehen eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen.
„Die jüngsten Konflikte im Nahen Osten führen erneut zu Unsicherheiten an den Kapitalmärkten und beeinflussen indirekt auch Inflation, Energiepreise und Zinsen – Faktoren, die sich wiederum auf die Immobilienfinanzierung und deren Rahmenbedingungen auswirken“, erklärt Dr. Lucie Lotzkat, geschäftsführende Gesellschafterin bei Von Poll Finance. „Finanzierungen werden heute intensiver geprüft und setzen eine noch sorgfältigere Vorbereitung voraus.“
Erfolgsquoten bei Finanzierungen gehen zurück
Bei den Finanzierungserfolgsquoten zeigt sich ein ähnliches, aber nicht einheitliches Bild. 41,2 Prozent der Makler beobachten einen leichten Rückgang, 14,2 Prozent sogar einen deutlichen. Dem gegenüber stehen 38,4 Prozent, die keine Veränderungen registrieren, sowie 6,2 Prozent, die steigende Erfolgsquoten wahrnehmen.
Lotzkat: „Die strengeren Rahmenbedingungen bei Finanzierungen sind keineswegs ausschließlich auf die jüngsten geopolitischen Konflikte zurückzuführen. Selektivere Kreditvergaben beobachten wir bereits seit dem vergangenen Jahr – unter anderem bedingt durch Inflation, wirtschaftliche Unsicherheiten und das anspruchsvollere Zinsumfeld.“ Gleichzeitig betont sie, dass Finanzierungen weiterhin möglich seien – insbesondere dann, wenn Kaufinteressenten gut vorbereitet sind und frühzeitig professionelle Beratung in Anspruch nehmen.
Finanzierungshürden werden oft spät sichtbar
Bemerkenswert ist, zu welchem Zeitpunkt im Kaufprozess Finanzierungsprobleme auftreten. Laut 47,4 Prozent der befragten Makler werden Hürden am häufigsten sichtbar, wenn die Kaufentscheidung konkreter wird und alle Objekt-, Finanzierungs- sowie Nebenkosten detailliert geprüft werden. Weitere 17,1 Prozent berichten, dass ein unzureichender finanzieller Spielraum bereits bei der Budgetprüfung vor der ersten Besichtigung erkennbar wird. Bei 12,3 Prozent treten Finanzierungsprobleme erst kurz vor Abschluss der Transaktion auf – etwa wenn sich im Rahmen der finalen Prüfung zusätzliche Kosten oder geänderte Anforderungen der Kreditinstitute ergeben. Immerhin 23,2 Prozent der Befragten geben an, dass Finanzierungsprüfungen derzeit selten problematisch sind.
„Der Erfolg einer Immobilienfinanzierung steht und fällt mit der Vorbereitung“, so Lotzkat. Ein unabhängiger Finanzierungsberater könne eine realistische Einschätzung zur individuellen Haushaltsrechnung liefern und verschiedene Finanzierungsszenarien simulieren. Bei Von Poll Finance stehen den Angaben zufolge Konditionen von rund 700 Finanzinstituten deutschlandweit für einen Vergleich zur Verfügung.
Eigenkapital und Bankprüfungen als zentrale Herausforderungen
Als größte Finanzierungsherausforderungen nennen die befragten Makler vor allem zwei Faktoren: 69,2 Prozent sehen ein zu geringes oder nicht optimal eingesetztes Eigenkapital als relevantes Problem, 68,7 Prozent verweisen auf strengere beziehungsweise intensivere Prüfungen durch die Banken in Bezug auf Haushaltsrechnung, Bonität, Sicherheiten und Objektbewertung. An dritter Stelle folgt das hohe Zinsniveau mit 56,9 Prozent, gefolgt von einer zurückhaltenden Kreditvergabe (44,1 Prozent) und dem Verhältnis von Immobilienpreisen und Finanzierungskosten (19,0 Prozent). Unsichere Einkommensperspektiven spielen für 5,7 Prozent der Makler eine Rolle, hohe Kaufnebenkosten nur für 3,3 Prozent.
„Eigenkapital kann die Finanzierungsstruktur verbessern, ist aber nicht allein ausschlaggebend. Entscheidend bleibt vor allem, ob die monatliche Rate im Rahmen der Haushaltsrechnung tragfähig ist“, erklärt die Von-Poll-Finance-Expertin.














