Zäsur bei der Stuttgarter Lebensversicherung. Die stellt ihr nachhaltigkeitsorientiertes Vorsorgekonzept neu auf. Die bislang als eigenständige Produktfamilie vermarktete Grüne Rente wird künftig nicht mehr als separates Produkt, sondern als Option unter dem Namen „ZweiZukünfte“ angeboten. Nachhaltigkeitsorientierte Vorsorge wird damit zur wählbaren Ausprägung innerhalb der bestehenden Vorsorgelösungen. Künftig wird das neue Produkt in vier Anlagekonzepten – „classic, comfort+, performance+ und alpha+“ angeboten. Und zwar in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge.
Auslöser für die Neuausrichtung sind verschärfte regulatorische Anforderungen an nachhaltigkeitsbezogene Produkte. Gleichzeitig verfolgt die Stuttgarter das Ziel, die Beratung für Vertriebspartner und Kunden zu vereinfachen. „Wir verabschieden uns nicht von der GrüneRente, sondern denken sie konsequent weiter“, betont Volker Bohn, Generalbevollmächtigter für unabhängige Vertriebspartner der Stuttgarter. „Mit ZweiZukünfte wird nachhaltigkeitsorientierte Vorsorge zur wählbaren Option, die so noch leichter in jedes Beratungsgespräch integriert werden kann.“
Der Schritt der Stuttgarter Lebensversicherung kommt nicht überraschend. So hatte Bohn bereits vor einigen Wochen im Interview mit Cash. die strategischen Vertriebsansätze durchblicken lassen und die Neupositionierung damit begründet, dass der Versicherer sich aufgrund der steigenden regulatorischen Anforderungen in dem Segment neu positionieren will.
Die Basis bleibt
Inhaltlich bleibt die Basis erhalten. Die Stuttgarter hält in ihrem Sicherungsvermögen an definierten Ausschluss- und Positivkriterien für verantwortungsvolle Kapitalanlagen fest. Bei alpha+, wo das Vertragsguthaben vor Rentenbeginn vollständig in Fonds angelegt ist, stellt die Stuttgarter für ZweiZukünfte eine Auswahl an Fonds bereit, die soziale oder ökologische Kriterien berücksichtigen.
Nachhaltigkeitspräferenz erst nach der Bedarfsanalyse
Strukturell verschiebt sich durch die neue Form der Zeitpunkt der Entscheidung im Beratungsprozess. ZweiZukünfte wird als Zusatzentscheidung am Ende einer Bedarfs- und Konzeptberatung positioniert – also dann, wenn Risikoprofil, finanzielle Verhältnisse sowie Kenntnisse und Erfahrungen der Kunden bereits geklärt sind. Erst danach folgt die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz.
Mit dem Namen „ZweiZukünfte“ führt Die Stuttgarter zugleich ein neues Beratungsnarrativ ein. Die Idee dahinter: Altersvorsorge richte den Blick auf das persönliche Morgen: finanzielle Sicherheit im Alter, abgestimmt auf Lebenssituation und Risikoneigung. Die Option „ZweiZukünfte“ soll diesen Blick um eine zweite Dimension erweitern. „Wer vorsorgt, trifft aber immer auch eine Entscheidung, wie Geld wirken soll“, erläutert Bohn. Die Frage laute dann: Soll die gewählte Lösung auch die Zukunftsfähigkeit der Welt im Blick haben?
„Wir wollen, dass die Nachhaltigkeitspräferenzfrage dort gestellt wird, wo sie für Kundinnen und Kunden am meisten Sinn ergibt“, erklärt Bohn. Das sei der Moment, in dem die grundsätzliche Ausrichtung der Altersvorsorge bereits feststehe.
Kritik am Regulierungsaufwand trotz Zustimmung zum Ziel
Die Neupositionierung erfolgt vor dem Hintergrund weiterentwickelter regulatorischer Vorgaben für nachhaltigkeitsbezogene Produkte. Die Stuttgarter begrüßt ausdrücklich, dass mögliche Irreführung von Verbrauchern regulatorisch adressiert wird. Zugleich übt der Versicherer Kritik am Umfang des entstandenen Regelwerks. „Die Liste an zu berücksichtigenden Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien ist lang, die Inhalte in der Auslegung kompliziert. Das ist für uns Anbieter nur sehr schwer rechtssicher kommunizierbar“, sagt Bohn.
Die Stuttgarter positioniert Regulierung dennoch nicht als Hindernis, sondern als Orientierungsrahmen. „Regulierung ist für uns kein formaler Zwang, sondern ein Impuls, die Dinge klarer zu machen“, so Bohn. „ZweiZukünfte verbindet als Option regulatorische Anforderungen mit einer Struktur, die zur Realität in der Beratung passt.“
40 Prozent des bAV-Neugeschäfts entfielen 2025 auf die GrüneRente
Die Neuausrichtung baut auf einer etablierten Grundlage auf. Die 2013 eingeführte „GrüneRente“ gilt als eine der frühen Produktfamilien für nachhaltigkeitsorientierte Altersvorsorge im deutschen Markt. Auch wenn das Interesse nach der Hochphase 2022 und 2023 etwas nachgelassen hat, bleiben die Kennzahlen beachtlich: Im Jahr 2025 entfielen 40 Prozent des bAV-Neugeschäfts der Stuttgarter auf die „GrüneRente“, im gesamten Leben-Neugeschäft der Gruppe lag ihr Anteil bei 13,5 Prozent. Aktuell werden über 46.000 Verträge geführt.
„Mit ZweiZukünfte übertragen wir das Pioniererbe der GrüneRente in eine Form, die noch besser in die Beratungswelt passt. Unsere Geschäftspartner bekommen eine Option, die sich sauber in ihre Prozesse einfügt – und mit dem Bild der zwei Zukünfte eine Sprache spricht, die Kundinnen und Kunden ohne Fachjargon erreicht“, sagt Bohn.
















