Das Vertrauen der Krypto-Community in das Halten-Mantra HODL bröckelt. Die Kurse stehen unter Druck, Verkaufsängste greifen um sich und die Volatilität dürfte auf hohem Niveau bleiben, analysiert Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär:
Eines der wichtigsten Mantras der Krypto-Community lautet „HODL“ (Hold On for Dear Life), und Michael Saylor, der Gründer des weltweit größten Unternehmens für die Verwaltung digitaler Vermögenswerte, war einer der prominentesten Verfechter dieses Grundsatzes. Allerdings bröckelt die HODL-Überzeugung der Kryptomärkte, da die Preise weiterhin unter Druck stehen. Dieser Druck ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass Saylors Unternehmen vor einigen Wochen eine geringe Anzahl von Bitcoin verkauft hat. Der Verkauf an sich war nicht bedeutend, wohl aber das Signal.
Da die Bitcoin-Preise unter dem durchschnittlichen Kaufpreis lagen, greift die Sorge vor weiteren Verkäufen um sich. Laut einer aktuellen Mitteilung könnten solche Verkäufe genutzt werden, um die Barreserven des Unternehmens aufzustocken. Auch hier geht es eher um das Signal als um den Umfang potenzieller Verkäufe. Zu deutlich hatte sich Saylor zuvor immer wieder dagegen ausgesprochen, jemals Bitcoin zu verkaufen. Zum Ende des ersten Quartals hielt das Unternehmen 812.000 Bitcoin oder 4 % des im Umlauf befindlichen Bestands.
Im Grunde handelt es sich um ein Gefangenendilemma. Alle wären besser beraten, nicht zu verkaufen – Privatanleger, professionelle Investoren und auch Michael Saylors Unternehmen. Gleichzeitig hat derjenige einen Vorteil, der als Erster verkauft – denn alle anderen könnten dieselbe Strategie verfolgen. Zwangsverkäufe durch Treasury-Unternehmen stellen nicht nur für Bitcoin, sondern für digitale Vermögenswerte im Allgemeinen eine Bedrohung dar.
Allerdings preisen die Märkte das noch nicht ein. Anhaltende Abflüsse aus börsengehandelten Spot-Produkten deuten vielmehr auf eine zunehmende Unzufriedenheit der Anleger mit der Entwicklung von Bitcoin sowie auf Bedenken hinsichtlich steigender US-Zinsen und eines stärkeren US-Dollars hin. Top-down-Faktoren scheinen somit weiterhin die treibende Kraft für Kryptowährungen zu sein, nicht zuletzt, da Bottom-up-Faktoren fehlen, die die Preise nachhaltig antreiben könnten. Vorerst dürfte die Volatilität hoch bleiben, da Kapitalflüsse der Anleger und nicht die fundamentalen Entwicklungen der Blockchain die dominierenden Treiber der Kursentwicklung bleiben.














