EXKLUSIV

Immobilienfonds & Private Markets: Gute Preise, gute Perspektiven, wenig Absatz

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren

An der Spitze des AIF-Segments behauptet sich indes ein Unternehmen, das seit 1999 auf Private-Equity-Dachfonds spezialisiert ist und neben AIFs 2025 auch seinen ersten ELTIF aufgelegt hat: Munich Private Equity (MPE). Trotz eines Rückgangs erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben sein Platzierungsziel.

Zur positiven Stimmung bei Kunden und Vertrieb dürften auch die hohen Rückflüsse aus den bestehenden Fonds beigetragen haben: 2025 schüttete MPE über 130 Millionen Euro an Anlegerinnen und Anleger aus. „In den vergangenen Monaten und Jahren warteten viele Marktteilnehmer insbesondere in den größeren Segmenten auf Exits. Unsere Anleger haben hingegen vom Fokus auf den Lower Mid-Market mit seiner stabileren Rückflussdynamik profitiert“, so MPE-Vorstand Norman Lemke.

Von MPE stammen auch die beiden neuen Private-Equity-Fonds 2026 in der BaFin-Datenbank, darunter ihr zweiter ELTIF. MPE zählt damit zu den aktivsten Häusern. „Der europäische Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Rund die Hälfte der Wertschöpfung in Europa entsteht in mittelständischen Unternehmen. Viele dieser Firmen sind Markt- oder Technologieführer in ihren Spezialmärkten und gleichzeitig für Privatanleger kaum zugänglich“, so Lemke. „Unser neuer ELTIF ermöglicht die Investition in genau diese Unternehmen und erlaubt es den Anlegern, an der Innovationskraft und dem langfristigen Wachstum des europäischen Mittelstands zu partizipieren.“ 

Weitere AIF-Anbieter stemmen sich gegen den Trend

Zurück zum Jahr 2025. Einige weitere AIF-Anbieter konnten sich gegen den Trend stemmen, darunter Habona, die Hahn Gruppe, US Treuhand und Ökorenta. Eines haben diese Unternehmen gemeinsam: Wie MPE sind sie seit vielen Jahren auf ein enges Marktsegment spezialisiert und erfolgreich.

Dazu zählt auch die Primus Valor AG. Trotz eines spürbaren Rückgangs des Neugeschäfts im vergangenen Jahr ist auch deren Vorstand Gordon Grundler mit Blick auf das Umfeld für Immobilienfonds zufrieden mit dem Geschäftsjahr. „Wir haben weiter konsequent die günstigen Einstiegschancen am Markt genutzt und lukrative Ankäufe umsetzen können“, sagt er. 

Für 2026 registriert er eine erhöhte Platzierungsgeschwindigkeit seines auf Bestands-Wohnimmobilien ausgerichteten Fonds, der bereits ein sehr gut aufgestelltes Portfolio vorweisen könne, wohingegen die Emission Ende Januar 2025 als Blindpool gestartet war. Im Juni 2026 wurde das Zielvolumen des Fonds auf 50 Millionen Euro Eigenkapital angehoben, kurz darauf eine erste Ausschüttung angekündigt und Grundler sieht „weiterhin interessante Einkaufsmöglichkeiten“.

Umfeld wegen Iran-Krieg wieder etwas eingetrübt

Allerdings: Seit Ende Februar 2026 hat sich das Umfeld mit Beginn des Iran-Kriegs wieder etwas eingetrübt. Chancen durch antizyklische Investments sind zwar weiterhin vorhanden, aber ein erneuter Inflationsschub, die dadurch wieder etwas steigende Zinstendenz und die allgemeine Verunsicherung drücken auf die Stimmung. Ob das Neugeschäft mit Publikums-AIFs schon im laufenden Jahr wieder signifikant anspringt, bleibt abzuwarten und ist angesichts der anhaltenden Flaute an Neuemissionen nicht besonders wahrscheinlich.

Die stärksten Impulse sind 2026 erneut aus dem jungen Segment der ELTIFs zu erwarten. Dort ist das Angebot weiter gewachsen. So weist das Portal eltif.info Ende Juli nicht weniger als 63 ELTIFs aus, die in Deutschland zum Vertrieb an Privatpersonen zugelassen sind. Davon sind 18 Infrastruktur-, 17 Private-Debt-, 14 Private-Equity- und drei Immobilienfonds. Elf ELTIFs investieren in mehrere Segmente der Private Markets. Welche der Fonds sich tatsächlich im aktiven Vertrieb befinden, geht aus der Auflistung allerdings nicht hervor.

62 von 63 ELTIFs sind „Evergreen“

Bemerkenswert: Mit einer Ausnahme sind alle Fonds als „Evergreen“ gekennzeichnet. Sie haben also eine sehr lange oder (praktisch) unbegrenzte Laufzeit, und die Anleger können ihre Anteile grundsätzlich währendessen zurückgeben. 

Lediglich der Mid Market Private Equity ELTIF von MPE ist ein geschlossener Fonds. „Die langfristige Kapitalbindung ist eine der größten Stärken von Private Equity. Sie schafft den Freiraum, Unternehmen über Jahre hinweg aktiv zu begleiten und nachhaltigen Wert zu schaffen“, betonte MPE-Vorstand Nico Auel Mitte Juli zum Start des zweiten MPE ELTIF, der erneut geschlossen konzipiert wurde (und zum Stichtag noch nicht in der eltif.info-Tabelle enthalten war). „Die Illiquidität eines geschlossenen Fonds ermöglicht es den Private-Equity-Managern, diese Freiräume konsequent zu nutzen und rückt die langfristige Anlageperspektive als Erfolgsvoraussetzung auch gegenüber den Anlegern klar in den Fokus“, so Auel.

Das ist auch ein Seitenhieb auf die vielen Evergreen-ELTIFs. Sie haben grundsätzlich das gleiche Risiko wie offene Immobilienfonds: Das Kapital ist langfristig oder jedenfalls mit langfristigem Investment-Horizont investiert („Long Term“). Wenn sehr viele Anleger in einer Marktkrise kündigen, müssen Zielunternehmen oder Assets in diesem schwachen Umfeld verkauft werden. Vielleicht sind sie zudem noch gar nicht „reif“ für den Verkauf oder dies ist – je nach konkretem Zielsegment und Assetklasse – überhaupt nicht kurzfristig möglich. So oder so leiden darunter unter Umständen auch die verbleibenden Kunden – schon deshalb, weil die Assets den Wertverlust nicht wieder aufholen können, wenn sie erst verkauft sind.

Erste Fondsschließung im ELTIF-Segement

Zudem kann die Liquidität der Fonds knapp werden, wenn das Geld in langfristigen Werten feststeckt. Auch Evergreen-ELTIFs sehen deshalb regelmäßig unterschiedlich ausgestaltete „Gating“-Klauseln vor: Mindest-Haltedauern, Kündigungsfristen und maximale (meist jährliche) Rückgabekontingente. Damit ist auch die Möglichkeit verbunden, die Rücknahme einzuschränken oder auszusetzen. Die Fonds werden deshalb vielfach auch als „semi-liquide“ bezeichnet.

Auch das Kürzel ELTIF schützt also nicht vor diesem Risiko. Dass es sich dabei nicht nur um eine theoretische Möglichkeit handelt, belegt der Fall des Greenman Open. Der auf Lebensmittel-Handelsimmobilien spezialisierte Fonds, der 2024 in einen ELTIF umgewandelt worden war, setzte die Anteilsrücknahme bereits im Dezember 2025 aus, nachdem Rückgabeanträge die Zehn-Prozent-Schwelle überschritten hatten. Auch dieses Segment hat also seinen ersten „Sündenfall“. 

Dass der Vertrieb die Chance nutzt, auch mit diesem Argument die Stärken von Publikums-AIFs auszuspielen, ist indes allenfalls vereinzelt wahrnehmbar. Doch was nicht ist, kann bekanntlich noch werden. Dafür jedoch ist es notwendig, den Blick nicht verzagt in die Vergangenheit zu richten, sondern wieder nach vorne zu schauen. Denn die Ausgangsbasis, also die Preise und Perspektiven in vielen Assetklassen, ist viel besser als allgemein wahrgenommen.

Dieser Artikel stammt aus dem Special „Immobilien & Sachwertanlagen“, das in Ausgabe 9/2026 erscheint.

1 2 3Startseite

Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments