In der Krise nach 2008 hat das vielfach Anleger begünstigt, die rechtzeitig gekündigt hatten und auf dieser Basis abgefunden wurden. Das hat den Run noch beschleunigt und zum Teil zu derben Enttäuschungen für die verbleibenden Anleger bei der Verwertung nach der Fondschließung geführt. Ob und gegebenenfalls bei welchen der aktuellen Fonds sich solche Befürchtungen ebenfalls bestätigen, bleibt abzuwarten.
Dieses Risiko haben Anleger geschlossener Publikums-AIFs nicht. Der scheinbare Nachteil der langen Laufzeit wird damit zum Vorteil: Niemand kann zur Unzeit kündigen und damit unter Umständen auch die anderen Anleger schädigen.
Dennoch kann die AIF-Branche im Neugeschäft bislang keinen Profit aus der Krise der offenen Fonds schlagen, auch nicht aus den seit 2022 durchweg spürbar gefallenen Assetpreisen (und damit entsprechend verbesserten Einstiegskonditionen) sowie der berichteten „Bodenbildung“ in vielen Segmenten, auch außerhalb des Immobilienmarkts. Der Absatz ist weiterhin mau.
Vielfach pro-zyklisches Verhalten von Kunden und Vertrieb
So mag die Krise der offenen und die Absatzschwäche der geschlossenen Fonds so gar nicht zu den Chancen vieler Zielmärkte passen. Einmal mehr schlägt pro-zyklisches Verhalten sowohl von Kunden als wahrscheinlich auch von Vertriebspartnern voll zu. Nach dem reinigenden Gewitter mit Korrekturen der Assetpreise um vielfach deutlich zweistellige Prozentsätze starren offenbar viele ängstlich auf die Vergangenheit und verpassen womöglich die Chancen der Zukunft.
Dabei hat es sich durchweg als gute Strategie erwiesen, im Wellental einzusteigen – und nicht erst, nachdem der Markt danach jahrelang gestiegen ist und vielleicht schon wieder vor der nächsten Korrektur steht.
Zugegeben: Niemand weiß vorher sicher, wann das Tal im Einzelfall wirklich erreicht ist und ob es tatsächlich wieder aufwärts geht. Die Vorzeichen dafür sind aktuell jedoch in vielen Assetklassen mehr als gut. Doch offenkundig ist es trotz nun vergleichsweise günstiger Preise und – jedenfalls mittelfristig – guter Perspektiven weiterhin nicht leicht, Anleger und Vertrieb von den Chancen zu überzeugen, die antizyklische Investments haben können. Womöglich hat sogar den einen oder anderen Anbieter selbst der Mut verlassen.
AIF-Neuemissionen 2026 weiter zurückgegangen
Jedenfalls sind die Neuemissions-Aktivitäten von Publikums-AIFs im bisherigen Jahr 2026 weiter zurückgegangen. So weist die Datenbank der Finanzaufsicht BaFin seit Jahresanfang gerade einmal sechs neue geschlossene Publikums-AIFs aus (Stand dieser und weiterer Angaben: 23. Juli 2026): Insgesamt vier Immobilien- und zwei Private-Equity-Fonds, von denen einer als geschlossener European Long Term Investment Fund (ELTIF) konzipiert ist.
Damit dünnt auch die Anzahl der Publikums-AIFs, die insgesamt im Vertrieb sind, mangels Nachschub nach und nach aus. So finden sich auf der Plattform Efonds24 derzeit lediglich 17 Publikums-AIFs. Beteiligungsfinder.de listet 15 aktuelle Fonds auf, die Seite von Schmidtner 19. Fast durchweg handelt es sich überall um die selben Emissionen, wobei nicht in allen Fällen die Aktualität gesichert ist.
Daneben mag es vielleicht noch die eine oder andere Exklusiv-Platzierung geben, insgesamt werden derzeit aber kaum mehr als 20 Publikums-AIFs zur Zeichnung offen stehen. So dünn wie im Sommer 2026 war das Angebot noch nie. Immerhin: Die wenigen aktiven Fonds bieten Anlegern und Vertrieb weiterhin ein breites Spektrum an Assetklassen. So sind von den 17 aktuellen Emissionen bei Efonds24 sechs Deutschland-, drei US- und ein Europa-Immobilienfonds sowie drei Private-Equity-, zwei Erneuerbare-Energien-, ein Zweitmarkt- und ein Transportlogistikfonds.
Vertrieb lief schon 2025 nicht rund
Ob die geringe Anzahl an Fonds der wesentliche Grund für das insgesamt sehr schwache Neugeschäft der Branche ist (oder umgekehrt), ist nur schwer auszumachen. Fest steht jedenfalls: Schon 2025 lief es im Vertrieb von Publikums-AIFs in Summe so gar nicht rund. Nach der Cash.-Markterhebung zur jüngsten Hitliste der Asset Manager ist das insgesamt platzierte AIF-Volumen im Jahr 2025 gegenüber dem schon schwachen Vorjahr nochmals um fast 44 Prozent geschrumpft (siehe Ausgabe 4/2026 oder online:).
Vielleicht ist der tatsächliche Einbruch etwas geringer, denn das Minus resultiert nicht allein aus den gemeldeten Zahlen, sondern auch aus nicht gemeldeten: Auf die diesjährige Abfrage hagelte es Absagen, ein Teil der Unternehmen meldete sich gar nicht. Doch in den wenigsten Fällen wird der Grund dafür übermäßiger Vertriebserfolg sein, so dass die generelle Richtung des Markttrends unstrittig sein dürfte: Deutlich abwärts.
So ist auch die Liste der Asset Manager in diesem Jahr so kurz wie nie: Lediglich 20 Unternehmen legten ihre Zahlen offen (siehe Link zur Tabelle Hitliste der Asset Manager). Auf Publikums-AIFs entfällt ein Platzierungsvolumen von insgesamt nur 332 Millionen Euro. Dass das platzierte Kapital mit Sachwertanlagen 2025 insgesamt um nur 4,1 Prozent zurückgegangen ist, liegt erneut an einem Vehikel, das 2024 reformiert wurde: ELTIFs.
ELTIF-Rücklauf dürftig
Auch in diesem Segment ist die Rücklaufquote auf die Cash.-Anfrage dürftig. 32 Publikums-ELTIFs von 30 Anbietern, die sich grundsätzlich im aktiven Vertrieb befanden, zählte Cash. bis Herbst 2025. Doch die meisten der vielen neuen Akteure antworteten nicht auf die Platzierungsabfrage, andere verwiesen darauf, dass der Vertrieb noch nicht wirklich angelaufen sei oder wollten sich wohl nicht mit winzigen Zahlen blamieren.
Lediglich vier Unternehmen haben für 2025 ELTIF-Umsätze gemeldet. Drei davon landen prompt auf den ersten drei Plätzen des Cash.-Rankings: Dabei verdrängt Union Investment mit einem Zuwachs von 60 Prozent den Vorjahres-Spitzenreiter Commerz Real. Auf dem dritten Platz liegt Swiss Life Asset Managers, die ihr Neugeschäft gegenüber 2024 mehr als verdoppeln konnten.
Dass die ELTIFs als neue Konkurrenz der Grund für die Platzierungsmisere der AIFs sein könnten, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Zum einen werden vor allem Union Investment (Genossenschaftsbanken) und Commerz Real (Commerzbank) die Anteile in erster Linie über das Filialnetz ihrer jeweiligen Finanzgruppe unter die Leute bringen und insofern kaum Berührungspunkte mit dem klassischen AIF-Vertrieb haben. Auch sonst waren wohl kaum ELTIFs im breiteren Vertrieb; das muss mangels Antworten zwar offen bleiben, dürfte aber – soweit zu hören ist – die Ausnahme sein. Zum anderen investieren ELTIFs bisher weit überwiegend in Private Equity, Private Debt oder Infrastruktur. Bei AIFs dominieren hingegen weiterhin Immobilien.













