Der deutsche Versicherungsmarkt hat 2025 ein solides Wachstum von 6,7 Prozent verzeichnet. Das gesamte Prämienvolumen stieg damit auf 253 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich die Schaden- und Unfallversicherung, die dank deutlicher Prämienerhöhungen um 7,7 Prozent expandierte. Die Lebensversicherung beschleunigte ihr Wachstum auf 5,3 Prozent – wobei das Wachstum vor allem durch das Einmalbeitragsgeschäft getrieben wurden. Auch die die Krankenversicherung legte zu – um 7,3 Prozent zu. Das zeigt der neue „Global Insurance Report 2026“ von Allianz Research, der die Entwicklung der Versicherungsmärkte weltweit analysiert und für Deutschland einen differenzierten Ausblick liefert.
Trotz dieser Zahlen zeigt ein Blick auf die Marktdurchdringung, wo strukturelle Aufholarbeit nötig bleibt: Die Lebensversicherungsdurchdringung liegt in Deutschland bei lediglich 2,1 Prozent. Das ist gerade einmal halb so viel wie der westeuropäische Durchschnitt, der bei 4,3 Prozent liegt. Die zurückliegenden schwachen Jahre haben sichtbare Spuren hinterlassen, auch wenn das Comeback der Lebensversicherung zuletzt wieder an Dynamik gewonnen hat, so die Allianz.
Stabiles Wachstum unter westeuropäischem Schnitt
Für die kommende Dekade rechnet Allianz Research in Deutschland mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,6 Prozent und damit knapp über dem erwarteten nominalen BIP-Wachstum von 3,3 Prozent. Global wird die Versicherungsbranche mit 5,3 Prozent pro Jahr etwas schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft. Der westeuropäische Markt, dem Deutschland angehört, dürfte ebenfalls bei 3,6 Prozent pro Jahr liegen – mit einem Prämienvolumen von 2.466 Milliarden Euro bis 2036.
In der Schaden- und Unfallversicherung erwartet Allianz Research für Deutschland ein jährliches Wachstum von 4,3 Prozent bis 2036, leicht unter dem globalen Schnitt von 4,7 Prozent. Die Lebensversicherung soll in Deutschland jährlich um 2,5 Prozent zulegen – deutlich weniger als der globale Durchschnitt von 4,9 Prozent, der vor allem durch das starke Wachstum in Asien getragen wird. Am dynamischsten dürfte die Krankenversicherung bleiben: Hier prognostiziert Allianz Research für Deutschland ein jährliches Plus von 3,9 Prozent, global sind es 6,7 Prozent.
Das Prämienvolumen des deutschen Markts soll bis 2036 auf 372 Milliarden Euro steigen. Westeuropa insgesamt wird dabei weiter relativ an globalem Gewicht verlieren – wenngleich der Marktanteilsverlust mit voraussichtlich vier Prozentpunkten geringer ausfallen dürfte als in der vergangenen Dekade, in der 5,3 Prozentpunkte verloren gingen.
Geopolitische Fragmentierung erhöht den Druck auf Versicherer
Den globalen Rahmen, in dem sich diese Entwicklungen vollziehen, skizziert Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran: „Die geopolitische Fragmentierung kehrt viele der Annahmen um, die die Weltwirtschaft jahrzehntelang geprägt haben. Da Handel, Kapitalströme und Regulierung zunehmend fragmentiert werden, ersetzt Resilienz zunehmend Effizienz als dominierendes Ordnungsprinzip. Dadurch wird das operative Umfeld komplexer und kostspieliger – und erhöht damit den Druck, Versicherungen bezahlbar zu halten.“
Für den deutschen Markt bedeutet das konkret: Versicherer werden ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen – durch regional resilientere Strukturen, eine stärkere Integration geopolitischer Analysen in Underwriting und Kapitalallokation sowie die Entwicklung neuer Produkte für Risiken in Bereichen wie Infrastruktur, Energiesicherheit und politische Risiken.
Das Wachstumspotenzial verschiebt sich
Global wächst der Prämienpool bis 2036 um insgesamt 5,26 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte dieses Zuwachses entsteht in Asien – allein in der Lebensversicherung werden dort zusätzliche Prämien von rund einer Milliarde Euro erwartet, mehr als in Nordamerika und Westeuropa zusammen. Die globale Versicherungslandkarte verschiebt sich damit weiter nach Osten. Für den deutschen Markt ein Fingerzeig, wo die strukturellen Wachstumspotenziale der Branche langfristig liegen.















