Die Renditen langlaufender Staatsanleihen steigen weiter deutlich. Zehnjährige US-Treasuries nähern sich 5,2 Prozent, Bundesanleihen 3,6 Prozent. Aktienmärkte und Credit Spreads zeigen sich davon bislang erstaunlich unbeeindruckt. Diese Widerstandsfähigkeit dürfte jedoch Grenzen haben, meint Axel Botte, Chefstratege des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management. Ab einem bestimmten Zinsniveau werden höhere Realrenditen zwangsläufig auf die Risikoprämien von Aktien und Unternehmensanleihen durchschlagen.
„Bemerkenswert ist dabei, dass der jüngste Renditeanstieg nicht in erster Linie auf höhere Inflationserwartungen zurückgeht. Vielmehr spiegeln die Märkte eine robustere Konjunktur und die Aussicht auf länger restriktive Geldpolitik wider.
In den USA deutet sich für das dritte Quartal ein annualisiertes Wachstum von knapp 3 Prozent an. Auch in Europa signalisieren die Einkaufsmanagerindizes eine Fortsetzung der Erholung, wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern. Bislang gehen die Märkte daher davon aus, dass solide Wachstumsdaten die höheren Finanzierungskosten kompensieren können.
Genau diese Rechnung könnte jedoch zunehmend unter Druck geraten. Je weiter die Realzinsen steigen, desto schwieriger wird es für Aktien und Unternehmensanleihen, ihre Bewertungen zu halten. Höhere sichere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten von Risikoanlagen und setzen insbesondere hoch bewertete Marktsegmente unter Druck.
Die aktuelle Widerstandsfähigkeit der Märkte sollte deshalb nicht mit Entwarnung verwechselt werden. Der entscheidende Test wird sein, wie lange Risikoassets steigende reale Renditen verkraften können, ohne dass die höheren Diskontsätze stärker auf Bewertungen und Risikoprämien durchschlagen.“















