Wohnkosten treffen Mieter in Deutschland deutlich härter als Eigentümer. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank. Während Immobilienbesitzer ihre monatlichen Ausgaben meist gut stemmen, gerät ein wachsender Teil der Mieterhaushalte finanziell unter Druck. Für die Beratungspraxis liefert die Erhebung konkrete Anhaltspunkte, warum der Sprung ins Eigenheim für viele Klienten schwerer wird.
Als Faustregel gilt: Miete oder Kreditrate sollten zusammen mit den Nebenkosten nicht mehr als dreißig Prozent des Nettoeinkommens beanspruchen. Genau daran scheitern viele Mieterhaushalte. Laut der Umfrage wendet knapp jeder dritte Mieter (30 Prozent) mindestens 40 Prozent seines Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen auf. Bei jedem achten Mieter (13 Prozent) sind es sogar mindestens 50 Prozent. Unter Eigentümern trifft eine derart hohe Wohnkostenquote deutlich seltener zu: Nur 15 Prozent geben 40 Prozent oder mehr aus, lediglich fünf Prozent die Hälfte oder mehr ihres Einkommens.
Zwölf Prozent der Mieter an der Belastungsgrenze
Die finanzielle Schieflage schlägt sich direkt im Empfinden der Befragten nieder. Zwölf Prozent der Mieter geben an, sich ihre Wohnkosten eigentlich nicht mehr leisten zu können. Unter Eigentümern äußert das nur jeder Zwanzigste (fünf Prozent). Die Wohnkosten wirken damit für Mieter nicht nur rechnerisch höher, sondern auch subjektiv bedrohlicher.
Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Postbank, ordnet die Entwicklung so ein: „Wohnen wird für immer mehr Mieter zu einer finanziellen Zumutung. Wenn fast jeder achte Befragte erklärt, die eigene Wohnung kaum noch bezahlen zu können, ist das mehr als ein Stimmungsbild. Es ist ein Hinweis darauf, wie wichtig bezahlbarer Wohnraum für unsere Gesellschaft geworden ist und wie stark sich die Lebenswirklichkeit von Mietern und Eigentümern inzwischen auseinanderentwickelt hat.“
Für Berater ergibt sich daraus ein klares Bild: Wer Mieter mit angespannter Wohnkostenquote betreut, sollte Rücklagenbildung und Anschlussfinanzierungen besonders sorgfältig prüfen. Spielraum für Vorsorge oder Vermögensaufbau bleibt vielen Betroffenen kaum.
Eigenkapital als größte Hürde zum Wohneigentum
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist unter Mietern trotz der angespannten Lage ungebrochen: 48 Prozent würden lieber in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus leben. Die hohen laufenden Wohnkosten erschweren jedoch gerade den Schritt dorthin. 85 Prozent der Mieter mit Eigentumswunsch nennen fehlende finanzielle Mittel als Grund, warum sie weiterhin zur Miete wohnen.
Am häufigsten fehlt es am Eigenkapital: 57 Prozent der Betroffenen geben fehlende Rücklagen als größte Hürde an. 45 Prozent halten die Finanzierung insgesamt für zu teuer, 41 Prozent die Erwerbskosten für zu hoch. Diese drei Werte schließen sich nicht gegenseitig aus, da Mehrfachnennungen möglich waren.
„Das fehlende Eigenkapital ist für viele Mieter zum entscheidenden Hindernis geworden. Wohneigentum erscheint damit immer weniger als Ergebnis kontinuierlicher eigener Sparleistung, sondern zunehmend als Frage familiärer Ressourcen“, erklärt Stephan.
Diese Einschätzung teilen auch die Befragten selbst: 54 Prozent der Mieter glauben, dass man heute am ehesten durch eine Erbschaft oder finanzielle Unterstützung aus der Familie zu Wohneigentum gelangt. Unter Eigentümern sieht das lediglich gut jeder dritte (36 Prozent) so. Der Unterschied deutet darauf hin, dass Mieter den eigenen Zugang zu Wohneigentum zunehmend außerhalb ihrer eigenen finanziellen Kontrolle verorten.
Bedeutung für die Beratungspraxis
Für Finanzberater und Vermögensverwalter liefert die Umfrage einen konkreten Ansatzpunkt für Beratungsgespräche mit jüngeren Klienten und Mieterhaushalten. Wo Eigenkapitalbildung zum zentralen Hindernis wird, gewinnen frühzeitige Sparpläne, staatliche Förderungen und familiäre Finanzierungsmodelle an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt die wachsende Wohnkostenquote vieler Mieter, dass Rücklagen für Notfälle und Altersvorsorge bei dieser Klientel oft nur eingeschränkt möglich sind – ein Punkt, der in der Anlageberatung stärker berücksichtigt werden sollte.
Vergleichstabelle: Wohnkosten von Mietern und Eigentümern
| Kennzahl | Mieter | Eigentümer |
|---|---|---|
| Wohnkostenquote von mindestens 40 Prozent des Nettoeinkommens | 30 Prozent | 15 Prozent |
| Wohnkostenquote von mindestens 50 Prozent des Nettoeinkommens | 13 Prozent | 5 Prozent |
| Können sich die eigenen Wohnkosten eigentlich nicht mehr leisten | 12 Prozent | 5 Prozent |
| Halten Erbschaft/familiäre Unterstützung für den wahrscheinlichsten Weg zu Wohneigentum | 54 Prozent | 36 Prozent |













