Wüest Partner: EZB-Zinspause bringt Immobilienmarkt keine Entlastung

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Bauzinsen steigen
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Teurere Finanzierungen bremsen Bauprojekte - während zehnjährige Bundesanleihen auf rund 3,4 Prozent steigen.

Nach zwei Zinserhöhungen hält die Europäische Zentralbank beim heutigen EZB-Zinsentscheid still - der Einlagensatz bleibt bei 2,50 Prozent. Laut Wüest Partner verteuern jedoch stark gestiegene Anleiherenditen in Frankreich und Deutschland die Immobilienfinanzierung, eröffnen aber auch neue Chancen für Investoren.

Die Europäische Zentralbank lässt ihren Leitzins unverändert. Der EZB-Zinsentscheid vom 29. Oktober 2026 bestätigt den Einlagensatz von 2,50 Prozent. Im Juni und im September hatte die Notenbank ihn zuvor zweimal angehoben. Für die Immobilienmärkte bedeutet die Zinspause nach einer aktuellen Marktanalyse von Annika Steiner, Partner und Managing Director des Immobiliendienstleisters Wüest Partner, jedoch noch keine Entlastung.

Anleiherenditen in Frankreich erstmals seit 2002 über fünf Prozent

Sie weist auf einen weiteren Faktor hin: Parallel zum EZB-Zinsentscheid sind die Renditen langfristiger Staatsanleihen im Euroraum spürbar gestiegen. Zehnjährige französische Staatsanleihen überschritten zuletzt erstmals seit dem Jahr 2002 die Marke von fünf Prozent. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren derzeit bei etwa 3,4 Prozent.

Steiner nennt dafür mehrere Treiber. Dazu zählen steigende Erwartungen bei Inflation und Zinsen als Folge des Energiepreisschocks sowie hohe Schuldenstände der Staaten. In Frankreich verschärft zusätzlich die angespannte innenpolitische Lage die Situation. Hinzu kommt ein weltweit zunehmender Kapitalbedarf, unter anderem für den Ausbau von KI-Infrastruktur. Das nehme der Notenbank tendenziell etwas Druck, die Zinsen in den kommenden Monaten weiter anzuheben.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

KennzahlWert
Inflation Euroraum, September 20263,8 Prozent
Inflation Euroraum, August 20263,2 Prozent
Inflation Euroraum, Vorjahresmonat2,2 Prozent
Kerninflation Euroraum, September 20262,5 Prozent
Mittelfristiges Inflationsziel der EZB2,0 Prozent
EZB-Einlagensatz2,50 Prozent
Rendite zehnjähriger Staatsanleihen, Frankreichüber 5,0 Prozent
Rendite zehnjähriger Staatsanleihen, Deutschlandrund 3,4 Prozent
Quelle: Wüest Partner

Was der EZB-Zinsentscheid für Immobilienfinanzierungen bedeutet

Nach Einschätzung von Annika Steiner wirkt der Anstieg der Anleiherenditen für die Immobilienwirtschaft jedoch doppelt. Einerseits verteuert er die Finanzierung von Projekten. Andererseits erhöht er die Rendite von Anlagealternativen wie Staatsanleihen. An diesem Vergleichsmaßstab müssen sich Immobilieninvestments messen lassen.

Höhere langfristige Zinsen erschweren deshalb den Immobilienerwerb und belasten vor allem Projektentwicklungen. Zusammen mit weiterhin hohen Baukosten bremst das den Neubau im Wohn- wie im Gewerbesegment. Auch die Refinanzierung bleibt anspruchsvoll. Das gelte insbesondere dort, wo hohe Finanzierungskosten auf zusätzlichen Investitionsbedarf treffen, etwa für energetische Sanierungen. „Die aktuelle Zinspause bedeutet daher noch keine Entlastung“, so Steiner.


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Eigenkapitalstarke Investoren finden Einstiegschancen

Trotz der angespannten Lage sieht sie auch Chancen am Markt. „Nach den Preiskorrekturen der vergangenen Jahre und bei anhaltender Zurückhaltung vieler Marktteilnehmer eröffnen sich für eigenkapitalstarke Investoren attraktive Einstiegsmöglichkeiten“, erklärt sie.

Hinzu kommen verbesserte realwirtschaftliche Aussichten für Deutschland. Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für 2026 zuletzt auf 1,3 Prozent angehoben. Zusätzlich dürften staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur zum Jahresende hin stützen.

Ausblick auf den nächsten EZB-Zinsentscheid im Dezember

Für die kommenden Sitzungen gibt sich die Notenbank demnach bewusst keinen festgelegten Zinspfad vor. Der nächste EZB-Zinsentscheid fällt im Dezember 2026. Entscheidend dürfte dabei sein, ob sich der Preisauftrieb bei Energie auch auf weitere Güter und auf Löhne ausweitet.

Häufige Fragen zum EZB-Zinsentscheid

Welche Zinsentscheidungen hat die EZB zuletzt getroffen?

Nach zwei Erhöhungen im Juni und im September 2026 hat die EZB den Leitzins beim EZB-Zinsentscheid vom 29. Oktober unverändert gelassen. Der Einlagensatz liegt damit weiterhin bei 2,50 Prozent.

Wann entscheidet die EZB wieder über die Zinsen?

Die nächste reguläre Sitzung des EZB-Rats findet im Dezember 2026 statt.

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