Die jüngsten Inflationsdaten, steigende Energiepreise und eine zunehmend restriktive Fed setzen Risikoanlagen kurzfristig unter Druck. Für Bitcoin ist das zunächst ein schwieriges Umfeld. Langfristig aber führen die wahrscheinlichsten Auswege über neue Liquidität, Renditekontrolle oder Währungsabwertung — ein Szenario, das knappe Assets wie Gold und Bitcoin begünstigt.
Inflationsdruck durch Energie und Speicherchips
Der Verbraucherpreisindex der vergangenen Woche fiel überraschend hoch aus, die Kerninflation sogar noch stärker. Ein wesentlicher Treiber waren die Preise für Speicherchips. Gleichzeitig spannt sich der Ölmarkt weiter an: US-Diesel ist erstmals über sechs US-Dollar pro Gallone gestiegen, während Shanghai-Rohöl deutlich zugelegt hat. Das deutet darauf hin, dass China den Abbau seiner Ölreserven verlangsamt. Für die globale Inflation ist das ein beunruhigendes Signal — und genau auf eine solche Entwicklung scheint der Iran im Vorfeld der Midterms zu setzen.

Fed, Treasury und KI-Capex verschärfen die Lage
Diese Belastungen treiben die Geldpolitik klar in eine restriktivere Richtung, genau wie es die Märkte für die Fed-Sitzung in dieser Woche inzwischen erwarten. Nach robusten Arbeitsmarktdaten und einem sehr starken steht US-Notenbankchef Kevin Warsh unter Zugzwang: seine inflationskritische Rede in Jackson Hole lässt ihm kaum Spielraum, auf eine Zinserhöhung zu verzichten. Für das Finanzministerium kommt der Zeitpunkt besonders ungelegen, weil es seine Emissionen auf das kurze Ende konzentriert. Dadurch schlagen Zinserhöhungen fast unmittelbar auf die Schuldendienstkosten durch, während ein Teil der Mittel zugleich genutzt wird, um langlaufende Anleihen zurückzukaufen. Doch diese Rückkäufe drücken die langen Renditen bislang nicht: Fiskalsorgen, hartnäckige Inflation und eine zähe Laufzeitprämie überlagern die Käufe. Paradoxerweise könnte gerade dieses Scheitern die Wahrscheinlichkeit einer deutlich größeren Intervention im „Bazooka“-Stil zu einem späteren Zeitpunkt erhöhen.
Das Wachstum wurde unterdessen durch den Wiederaufbau von Lagerbeständen gestützt und hängt inzwischen immer stärker von massiven Investitionen in künstliche Intelligenz ab. Doch ob OpenAI und Anthropic diese Ausgaben tatsächlich ausreichend monetarisieren können, wird zunehmend fraglich. Frontier-Modelle (KI-Modelle an der technologischen Leistungsgrenze) schaffen es bislang nicht, einen dauerhaften Vorsprung gegenüber deutlich günstigeren Open-Source-Konkurrenten aufzubauen. Zugleich könnte die zirkuläre Struktur der Investitionen bald zum Problem werden, besonders wenn steigende Langfristzinsen die Finanzierung von Investitionsausgaben erschweren.
Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Gemengelage. Eine straffere Geldpolitik begrenzt kurzfristig das Aufwärtspotenzial von Bitcoin. Doch beide plausiblen Auswege — eine Rezession, die Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen erzwingt, oder eine immer aggressivere Renditedrückung, die in offene fiskalische Dominanz mündet — laufen letztlich auf dasselbe Entwertungsszenario hinaus. Und ein solches Regime begünstigt sowohl Gold als auch Bitcoin.
Marc des Ligneris ist Senior Portfolio Manager bei Coinshares.















