Franke und Bornberg hat die Neuauflage seines Ratings Krankenversicherung für Beamte 2026 genutzt und gewichtet Finanzstärke, Beitragsentwicklung und Service künftig stärker. Das Update fällt in eine Phase steigender Beitragsanpassungen: Zum Jahreswechsel werden Tarife für Beihilfeberechtigte nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband), der Interessenvertretung der privaten Krankenversicherer, im Schnitt um 11,4 Prozent teurer. Für rund 53 Prozent der Privatversicherten steigen die Beiträge zum 1. Januar 2027 voraussichtlich sogar um durchschnittlich 13,4 Prozent, so der Verband mit Stand vom 16. Oktober 2026, schreibt das Analysehaus.
Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn Beihilfe zu den Krankheitskosten und sichern den verbleibenden Teil über eine private Krankenversicherung ab, die die Beihilfe ergänzt. Weil sich die Beihilfeansprüche zwischen Bund und Ländern sowie je nach Familienstand unterscheiden, ist dieser Markt besonders kleinteilig.
„Für Beamte ist die Wahl der Krankenversicherung eine Entscheidung fürs Leben. Bei zweistelligen Beitragsanpassungen zählt nicht nur, was im Tarif steht, sondern auch, ob der Versicherer solide wirtschaftet und seine Kunden aktiv durch das Gesundheitssystem begleitet“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg.
Vier Neuerungen im Ratingverfahren
Franke und Bornberg überträgt die Änderungen aus dem zuletzt veröffentlichten Rating der privaten Krankenvollversicherung vollständig auf die Beamtentarife. Mehr Gewicht erhält der Versicherer hinter dem Tarif: Ergebnisse aus dem map-report, die die finanzielle Stärke der Gesellschaften, die langfristige Beitragsentwicklung sowie Service und Kundenunterstützung abbilden, fließen stärker in die Bewertung ein. Neu hinzu kommt der Nachhaltigkeits-Score von Franke und Bornberg als Maßstab für das Engagement der Versicherer in diesem Bereich.
Bei der Hilfsmittelversorgung bewertet Franke und Bornberg Steuerungsinstrumente künftig nicht mehr grundsätzlich negativ. Tarife der Ratingklassen FFF+ und FFF dürfen die volle Erstattung von Hilfsmitteln nun an ein Beschaffungsmanagement des Versicherers knüpfen. Strenger wird es bei Transportkosten zu ambulanten Behandlungen: Tarife ohne Erstattungsanspruch für Fahrten etwa zur Dialyse oder Strahlentherapie erhalten höchstens die Note F+ ausreichend. Erstmals bewertet Franke und Bornberg zudem mit zwei Detailkriterien Leistungen für die ambulante Palliativmedizin und für stationäre Hospizdienste.
„Steuerung ist kein Leistungsabbau, solange am Ende die volle Erstattung steht. Wer dagegen die Fahrt zur Dialyse oder zur Strahlentherapie nicht bezahlt, lässt Versicherte genau dann allein, wenn sie auf Hilfe angewiesen sind“, erklärt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Notenspiegel: Spitzenplätze bleiben rar
Von 959 Tarifen im Notenspiegel erreichen nur 26 die Höchstnote FFF+ hervorragend, das entspricht 2,7 Prozent. Weitere 86 Tarife oder 9,0 Prozent erhalten die Note FFF sehr gut. Die meisten Tarife liegen im Mittelfeld: 364 Tarife oder 38,0 Prozent kommen auf FF+ gut, 471 Tarife oder 49,1 Prozent auf FF befriedigend.
Mehr als jeder zweite Tarif erreicht damit nur FF befriedigend oder schlechter, insgesamt 483 Tarife oder 50,4 Prozent. Häufig liegt das daran, dass ein Tarif im Krankenhaus nur Regelleistungen erstattet, während Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer zu den Mindeststandards für die Note FF+ gehören. Zwölf Tarife oder 1,3 Prozent erreichen lediglich F+ ausreichend, mangelhafte oder ungenügende Tarife gibt es im aktuellen Notenspiegel nicht.

Kostendruck treibt Gesundheitsmanagement in den Fokus
Die Kosten im Gesundheitswesen steigen in allen Leistungsbereichen. Nach Angaben des PKV-Verbands zahlte die private Krankenversicherung 2025 für allgemeine Krankenhausleistungen fast 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr, die Ausgaben für Arzneimittel stiegen um rund acht Prozent und für ambulante Arztbehandlungen um sechs Prozent. In der Summe erhöhten sich die Versicherungsleistungen der PKV 2025 um 7,2 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro, wie der Verband in einer Mitteilung vom 10. Juni 2026 bekanntgab. Diese Entwicklung schlägt sich zum Jahreswechsel in den Beiträgen nieder, auch bei Beamten.
Nach Analyse von Franke und Bornberg gewinnen deshalb Leistungen an Gewicht, die die Versorgung steuern, ohne sie zu verschlechtern, etwa ein strukturiertes Gesundheitsmanagement mit persönlicher Begleitung im Case- und Diseasemanagement sowie ein Beschaffungsmanagement für Hilfsmittel. Der PKV-Verband sieht in solchen Versorgungsprogrammen laut seinem Rechenschaftsbericht 2026 ein Mittel, um Fehl- und Überversorgung zu vermeiden. Franke und Bornberg prüft das Gesundheitsmanagement der Versicherer im map-report und bezieht die Ergebnisse in das Rating ein.
Methodik: Mehr als 6.000 Tarifkombinationen
Franke und Bornberg analysiert im Rating Krankenversicherung für Beamte 2026 über 6.000 Tarife und Tarifkombinationen. Die große Zahl ergibt sich aus der Struktur der Beihilfe: Bund und Länder gewähren unterschiedliche Beihilfesätze, und auch die familiäre Situation verändert den Anspruch, sodass jede Konstellation eine eigene Tarifkombination erfordert. Für den Notenspiegel wählt Franke und Bornberg eine feste Konstellation aus Bundesland und Familienstand. Er umfasst diesmal etwas mehr Tarife als zuletzt (861 im Jahr 2025), weil für einige Versicherer Konstellationen mit Options- und Kurtarifen ergänzt wurden. Tarife für Beamtenanwärter bewertet Franke und Bornberg nach demselben Verfahren.
Das Rating verbindet die Bewertung der Tarifbedingungen mit Kennzahlen zu Finanzstärke, Beitragsentwicklung und Service aus dem map-report sowie dem Nachhaltigkeits-Score und bildet damit alle vier Bewertungsdimensionen von Franke und Bornberg ab: Bedingungen, Stabilität, Beiträge und Nachhaltigkeit. Analysiert werden Tarife von 26 Versicherern in 20 Untersuchungsbereichen mit 134 Detailkriterien.
Die finanzielle Stabilität aus dem map-report fließt mit bis zu 1.000 Punkten ein, der Nachhaltigkeits-Score mit bis zu 500 Punkten. Die Höchstnote FFF+ erhalten Tarife, die mindestens 85 Prozent der maximal 23.925 Punkte erreichen und zugleich Mindeststandards erfüllen, darunter freie Arztwahl, volle Kostenübernahme für das Einbettzimmer, ein offener Hilfsmittelkatalog und mindestens 50 Sitzungen ambulante Psychotherapie.















