Die private Krankenversicherung hat im aktuellen DFSI-Qualitätsrating 2026/27 ihren Spitzenreiter: Die Allianz sichert sich mit der Gesamtnote „Sehr Gut (1,1)“ erneut Platz eins. Das Kölner Institut DFSI Ratings untersuchte dafür 33 marktrelevante Anbieter nach Substanzkraft, Produktqualität und Service. Zusammen stehen sie für mehr als 90 Prozent aller PKV-Vollversicherten in Deutschland. Knapp hinter der Allianz folgen Barmenia und Württembergische mit jeweils „Sehr Gut (1,2)“.
Parallel dazu läuft die Debatte über die Zukunft des deutschen Krankenversicherungssystems. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, sagt in einem Interview mit dem „Spiegel“: „Wir sollten die private Krankenversicherung (PKV) abschaffen, die gesetzliche aber auch.“ Der Chef der größten gesetzlichen Krankenkasse plädiert damit für ein System, das die Vorteile beider Welten verbindet.
Ungeachtet dieser Debatte wächst die Zahl der privat Versicherten weiter. Zum Jahresende 2025 zählte die Branche rund 8,79 Millionen privat Vollversicherte - ein Plus von 49.700 Personen oder 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutlich kräftiger legte der Bestand an Zusatzversicherungen zu: um 873.000 auf 32,2 Millionen Verträge, ein Anstieg von 2,8 Prozent. Besonders stark wuchs zudem die betriebliche Krankenversicherung. Rund 2,72 Millionen Beschäftigte hatten Ende 2025 einen arbeitgeberfinanzierten Zusatzschutz - ein Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
DFSI-Rating private Krankenversicherung: So funktioniert die Bewertung
Für das Qualitätsrating bewertet DFSI Ratings jeden Anbieter in drei Bereichen: Substanzkraft, Produktqualität und Service. Mit jeweils 40 Prozent gehen Substanzkraft und Produktqualität in die Gesamtnote ein, der Service schlägt mit 20 Prozent zu Buche.
Die Substanzkraftquote setzt sich aus Eigenkapital, Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen, stillen Reserven beziehungsweise Lasten und Alterungsrückstellungen zusammen. Daneben bewertet DFSI die Solvency-II-Quote separat. Sie gibt besonders bei Konzerntöchtern wie Allianz, AXA oder R+V zusätzliche Hinweise auf die aufsichtsrechtliche Kapitalausstattung. Hinzu kommen die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen, das versicherungstechnische Ergebnis, der Marktanteil und die Entwicklung der Versichertenzahl.
Nach Einschätzung von DFSI-Studienleiter Sebastian Ewy ist Wachstum allein noch keine wirtschaftliche Stärke. Höhere Beitragseinnahmen könnten verschiedene Ursachen haben - etwa neue Kunden, einen veränderten Produktmix oder schlicht Beitragserhöhungen. Erst der Blick auf Leistungsausgaben, Kosten und Kapitalerträge zeige, wie finanziell robust ein Versicherer wirklich sei.
Lag die um Übergangsmaßnahmen bereinigte Solvency-II-Quote eines Anbieters unter 100 Prozent, zog DFSI Ratings 50 Punkte von dessen Substanzkraft ab. Trotz der langen Niedrigzinsphase bewertet das Institut die Substanzkraft der geprüften Anbieter aber überwiegend als solide.
Nach eigenen Angaben soll das Qualitätsrating Vermittlern und Verbrauchern angesichts der komplexen Finanzstrukturen der Anbieter eine Orientierung bieten. DFSI Ratings ist eine Ausgründung des Kölner Deutschen Finanz-Service Instituts und veröffentlicht solche Qualitätsratings seit 2011. Damit erreicht das Institut eigenen Angaben zufolge die größte Abdeckung im deutschen Markt und kommt mittlerweile auf mehr als 120 veröffentlichte Studien.
Wer vorn liegt: Allianz, Barmenia und Württembergische
Wer private Krankenversicherungen vergleicht, erhält mit dem DFSI-Rating eine Einordnung, die über den reinen Beitragsvergleich hinausgeht. Wie schon in den Vorjahren gewinnt die Allianz die Gesamtwertung, Barmenia und Württembergische folgen mit der Note „Sehr Gut (1,2)“. Insgesamt schaffen acht Versicherer die Gesamtnote „Sehr Gut“: neben dem Spitzentrio sind das SIGNAL IDUNA, ARAG und R+V mit je 1,3 sowie DKV mit 1,4 und HanseMerkur mit 1,5. Die Note „Gut“ erhalten 22 Anbieter. Lediglich drei Versicherer - HUK-COBURG, Concordia und ottonova - bleiben bei „Befriedigend“.
| Unternehmen | Gesamtnote | Substanzkraft | Produktqualität | Service |
|---|---|---|---|---|
| Allianz | Sehr Gut (1,1) | Gut (1,6) | Exzellent (0,9) | Exzellent (0,7) |
| Barmenia | Sehr Gut (1,2) | Sehr Gut (1,1) | Sehr Gut (1,2) | Sehr Gut (1,2) |
| Württembergische | Sehr Gut (1,2) | Sehr Gut (1,2) | Sehr Gut (1,4) | Exzellent (1,0) |
| SIGNAL IDUNA | Sehr Gut (1,3) | Sehr Gut (1,1) | Sehr Gut (1,1) | Gut (1,9) |
| ARAG | Sehr Gut (1,3) | Sehr Gut (1,1) | Exzellent (0,9) | Gut (2,4) |
| R+V | Sehr Gut (1,3) | Sehr Gut (1,3) | Sehr Gut (1,2) | Sehr Gut (1,5) |
| DKV | Sehr Gut (1,4) | Gut (2,3) | Exzellent (0,9) | Exzellent (0,7) |
| HanseMerkur | Sehr Gut (1,5) | Gut (1,9) | Sehr Gut (1,1) | Sehr Gut (1,2) |
| Debeka | Gut (1,7) | Gut (2,5) | Exzellent (1,0) | Sehr Gut (1,3) |
| Hallesche | Gut (1,7) | Gut (2,3) | Sehr Gut (1,1) | Gut (1,8) |
| Continentale | Gut (1,9) | Gut (1,8) | Sehr Gut (1,5) | Befriedigend (2,9) |
| AXA | Gut (1,9) | Befriedigend (2,9) | Exzellent (0,9) | Gut (1,9) |
| LVM | Gut (1,9) | Gut (2,0) | Sehr Gut (1,4) | Befriedigend (3,0) |
| ERGO | Gut (2,0) | Gut (1,7) | Gut (1,8) | Befriedigend (3,0) |
| uniVersa | Gut (2,0) | Sehr Gut (1,1) | Gut (2,3) | Befriedigend (3,4) |
| SDK | Gut (2,0) | Befriedigend (3,2) | Sehr Gut (1,1) | Gut (1,6) |
| DFV Deutsche Familienversicherung | Gut (2,0) | Gut (1,9) | Gut (1,6) | Befriedigend (3,3) |
| Mecklenburgische | Gut (2,1) | Sehr Gut (1,1) | Gut (2,5) | Befriedigend (3,0) |
| Nürnberger | Gut (2,2) | Gut (2,5) | Sehr Gut (1,5) | Befriedigend (3,0) |
| Münchener Verein | Gut (2,2) | Gut (2,0) | Gut (1,7) | Befriedigend (3,5) |
| LKH | Gut (2,2) | Gut (1,8) | Gut (1,7) | Ausreichend (4,1) |
| INTER | Gut (2,2) | Gut (2,4) | Sehr Gut (1,4) | Befriedigend (3,5) |
| vigo | Gut (2,3) | Sehr Gut (1,3) | Gut (2,2) | Ausreichend (4,5) |
| Generali Deutschland | Gut (2,3) | Gut (2,5) | Gut (1,6) | Befriedigend (3,3) |
| VGH Provinzial Kranken | Gut (2,3) | Sehr Gut (1,4) | Befriedigend (2,8) | Befriedigend (3,0) |
| Gothaer | Gut (2,3) | Befriedigend (2,7) | Gut (2,1) | Gut (2,0) |
| Alte Oldenburger | Gut (2,3) | Sehr Gut (1,5) | Befriedigend (2,8) | Befriedigend (3,0) |
| VRK | Gut (2,3) | Gut (2,5) | Gut (2,4) | Gut (2,0) |
| Bayerische Beamten | Gut (2,5) | Gut (2,2) | Gut (2,5) | Befriedigend (3,1) |
| Union | Gut (2,5) | Gut (2,3) | Gut (2,5) | Befriedigend (3,0) |
| HUK-COBURG | Befriedigend (2,6) | Befriedigend (3,1) | Gut (2,2) | Gut (2,2) |
| Concordia | Befriedigend (2,7) | Befriedigend (3,1) | Gut (2,0) | Befriedigend (3,3) |
| ottonova | Befriedigend (2,9) | Befriedigend (3,2) | Gut (2,0) | Ausreichend (4,3) |
Substanzkraft, Produktqualität und Service: Die besten Einzelwerte
In der Teilnote Substanzkraft liegt SIGNAL IDUNA mit der Note „Sehr Gut (1,1)“ vorn, gemeinsam mit Barmenia, ARAG, uniVersa und Mecklenburgische. Bei der Produktqualität erreichen ARAG, Allianz, AXA und DKV mit „Exzellent (0,9)“ den Spitzenwert. Im Service führen Allianz und DKV mit jeweils „Exzellent (0,7)“.
Für die Produktqualität griff DFSI Ratings auf eigene Tests privater Vollkostentarife, Kranken-Zusatzpolicen und Pflegeversicherungen zurück, die in den vergangenen zwölf Monaten entstanden sind. Die Produktstärke macht 70 Prozent der Teilnote aus, die restlichen 30 Prozent entfallen auf die Bereitschaft der Versicherer, an den Produkttests teilzunehmen. Beim Service bilden die BaFin-Beschwerdestatistik mit 30 Prozent und ein DFSI-Test zu Gesundheitsservices mit 70 Prozent die Datenbasis. Dabei bewertete das Institut rund 275 Leistungsmerkmale wie Vorsorgeangebote, Unterstützung im Krankheitsfall und Bonusprogramme.
PKV-Beitragserhöhung 2027: Warum die Kosten der privaten Krankenversicherung steigen
Viele Menschen mit privater Krankenversicherung sorgen sich derzeit um ihre Beiträge. Der Verband der privaten Krankenversicherung geht davon aus, dass etwa jeder zweite Privatversicherte zum Januar 2027 mit höheren Beiträgen rechnen muss. Im Schnitt steigen sie demnach um rund 13 Prozent. Hauptursache sind die weiter steigenden Ausgaben für medizinische Leistungen - von der ambulanten Behandlung über Krankenhausaufenthalte bis hin zu Arzneimitteln.
Für ambulante Arztbehandlungen zahlte die private Krankenversicherung 2025 rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr, insgesamt über neun Milliarden Euro. Bei den allgemeinen Krankenhausleistungen lagen die Ausgaben bei fast 7,5 Milliarden Euro - ein Anstieg von knapp 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Arzneimittelausgaben legten um fast acht Prozent zu.
Hinzu kommt aus Sicht des Instituts der demografische Effekt: Da Versicherte im Schnitt älter werden, steigt ihr Bedarf an medizinischer Versorgung. Gleichzeitig verteuern neue Medikamente und moderne Therapieverfahren die Behandlung, auch wenn sie bessere Heilungschancen bieten. Der Kostendruck bleibt dabei nicht auf die PKV beschränkt: Auch die gesetzlichen Kassen kämpfen mit steigenden Ausgaben. Besonders gut verdienende Mitglieder der gesetzlichen Kassen müssen zum Jahreswechsel mit höheren Beiträgen rechnen.
Welche Risiken birgt die private Krankenversicherung?
Ist die finanzielle Substanz eines Anbieters schwach, kann das für Versicherte ähnlich schwer wiegen wie ein leistungsschwacher Tarif. Vor Vertragsabschluss lohnt sich deshalb ein Blick auf die langfristige Stabilität des Anbieters. „Daher sollte vor Abschluss unbedingt überprüft werden, ob der Versicherer auch in Jahrzehnten - also dann, wenn Versicherte im Alter höhere Gesundheitskosten haben - die eingegangenen Verpflichtungen höchstwahrscheinlich noch erfüllen kann“, rät Sebastian Ewy, Senior Analyst beim DFSI. „Und das, ohne den Beitrag übermäßig erhöhen zu müssen.“















