„Der Anstieg der nominalen Renditen liegt fast ausschließlich in den stark steigenden Realzinsen begründet. Zum Teil ist das sogar ermutigend. Höhere Realzinsen können ein langfristig höheres Wachstumspotenzial widerspiegeln, möglicherweise aufgrund gesteigerter Produktivität. Das scheint in den USA derzeit der Fall zu sein. Das Wachstum ist nach wie vor robust, und es lässt sich kaum behaupten, dass sich die Wirtschaft bereits am Ende des Zyklus befindet.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Realzinsen steigen auch deshalb, weil Anleger eine höhere Entschädigung für die politische Unsicherheit verlangen. Die Haltung der Fed, ihre restriktive Geldpolitik beizubehalten, zwingt die Anleger dazu, einen höheren neutralen Zinssatz einzupreisen. Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich des US-Defizits und -Schuldenniveaus. Diese Kombination lässt die Realrenditen steigen. Die am Markt erwartete durchschnittliche Inflationsrate für die nächsten zehn Jahre schwankt aktuell kaum. Das zeigt, dass es bei der beschriebenen Dynamik nicht in erster Linie um die Einpreisung von Inflationsrisiken geht, sondern vielmehr um eine politische Angelegenheit.
Das Fazit? Wenn die Realzinsen aufgrund eines stärkeren Wirtschaftswachstums steigen, können Risikoanlagen diesen Anstieg gut verkraften. Steigen sie hingegen, weil geld- und fiskalpolitische Unsicherheiten eine höhere Risikoprämie erfordern, sind die Auswirkungen weniger positiv. Dies erschwert den Weg zu niedrigeren Anleiherenditen und könnte die kurzfristigen Argumente für eine lange Duration schwächen. Derzeit deutet das politische Umfeld nicht auf eine rasche Normalisierung der Zinsen hin. Wir gehen von dauerhaft höheren Zinsen aus und erwarten ein weiterhin herausforderndes Umfeld für die Duration.“















