Renditegipfel oder Hochplateau? Was jetzt für Staatsanleihen spricht – Renditen im Vergleich

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Anleiherenditen
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Staatsanleihen bieten hohe Renditen. Anleger sollten Inflation, Energiepreise, Staatsdefizite und Laufzeiten im Blick behalten.

Langfristige Staatsanleihen bieten Renditen wie seit Jahren nicht mehr. Sinkende Inflationsraten sprechen für eine Stabilisierung, doch Energiepreise, Staatsdefizite und zahlreiche Neuemissionen könnten den Markt erneut unter Druck setzen. Wo Anleger jetzt Chancen finden – und welche Risiken bleiben.

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen liegen wieder auf Niveaus, die Anleger seit Jahren kaum gesehen haben. Sinkende Inflationsraten sprechen für eine Stabilisierung. Energiepreise, Staatsverschuldung und ein großes Angebot neuer Anleihen könnten den Gipfel jedoch noch einmal nach oben verschieben.

Am Anleihenmarkt wächst die Hoffnung, dass der jüngste Renditeanstieg ausläuft. Sicher ist das allerdings nicht. Während die Geldmarktsätze und kürzere Laufzeiten ihren zyklischen Höchststand erreicht haben könnten, bleibt die Lage bei zehn- und dreißigjährigen Staatsanleihen deutlich unübersichtlicher.


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Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bewegte sich zuletzt um 3,15 Prozent. Vergleichbare US-Treasuries warfen rund 4,68 Prozent ab. Damit bieten Staatsanleihen wieder laufende Erträge, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar waren. Zugleich zeigen die hohen Niveaus, dass Investoren weiterhin eine beträchtliche Entschädigung für Inflations-, Laufzeit- und Haushaltsrisiken verlangen.

LandInstrumentLaufzeitRenditeAbstand zu DeutschlandDatenstand
RusslandStaatsanleihe10 Jahre15,65 Prozent+12,50 Prozentpunkte12.08.2026
BrasilienStaatsanleihe10 Jahre14,69 Prozent+11,54 Prozentpunkte12.08.2026
IndienStaatsanleihe10 Jahre6,77 Prozent+3,62 Prozentpunkte13.08.2026
GroßbritannienGilt10 Jahre4,98 Prozent+1,83 Prozentpunkte13.08.2026
USAUS-Treasury10 Jahre4,68 Prozent+1,53 Prozentpunkte13.08.2026
FrankreichOAT10 Jahre3,97 Prozent+0,82 Prozentpunkte13.08.2026
ItalienBTP10 Jahre3,93 Prozent+0,78 Prozentpunkte13.08.2026
GriechenlandStaatsanleihe10 Jahre3,81 Prozent+0,66 Prozentpunkte13.08.2026
DeutschlandBundesanleihe10 Jahre3,15 Prozent0,00 Prozentpunkte13.08.2026
JapanJGB10 Jahre2,87 Prozent−0,28 Prozentpunkte13.08.2026
ChinaStaatsanleihe10 Jahre1,70 Prozent−1,45 Prozentpunkte13.08.2026

Quelle: Trading Economics, Bond Yields by Country. Stand: 13. August 2026; Russland und Brasilien: letzter verfügbarer Stand vom 12. August 2026. Die Renditen sind Marktindikationen und können sich während des Handelstags verändern.

Inflation lässt nach – aber nicht genug für Entwarnung

Für einen Renditegipfel spricht vor allem die nachlassende Teuerung. Im Euroraum ging die Inflationsrate nach Angaben der Europäischen Zentralbank im Juni von 3,2 auf 2,8 Prozent zurück. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel sank auf 2,4 Prozent. Auch der Preisauftrieb bei Dienstleistungen schwächte sich ab.

Die EZB hält ihre Leitzinsen dennoch unverändert. Präsidentin Christine Lagarde betonte nach der Sitzung vom 23. Juli, die Notenbank lege sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad fest. „Die Beweislast liegt bei den Daten – so einfach ist das“, sagte sie mit Blick auf die nächste Entscheidung. Zugleich verwies die EZB darauf, dass die Folgen des Energiepreisschocks noch nicht vollständig in den Verbraucherpreisen angekommen seien.

Auch in den USA ist die geldpolitische Wende keineswegs ausgemacht. Die Federal Reserve beließ ihre Zielspanne Ende Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses votierten allerdings für eine Anhebung um 25 Basispunkte. Die Fed bezeichnete die Inflation weiterhin als erhöht und verwies insbesondere auf energiebedingte Angebotsschocks.

Das signalisiert: Die kurzfristigen Renditen könnten sich zwar nahe ihrem Hoch bewegen. Ein erneuter Inflationsschub würde die Notenbanken aber zwingen, länger restriktiv zu bleiben oder die Zinsen sogar nochmals anzuheben.

Das lange Ende folgt nicht nur den Notenbanken

Für Anleger ist die entscheidende Unterscheidung jene zwischen kurzen und langen Laufzeiten. Zweijährige Staatsanleihen reagieren besonders stark auf die erwartete Geldpolitik. Bei zehn- oder dreißigjährigen Papieren spielen zusätzlich das langfristige Inflationsrisiko, die wirtschaftliche Trendrate und die sogenannte Laufzeitprämie eine Rolle.

Deshalb können langfristige Renditen weiter steigen, selbst wenn Fed oder EZB keine zusätzlichen Zinsschritte beschließen. In den USA belasten hohe Haushaltsdefizite und ein entsprechend großes Angebot neuer Treasury-Papiere den Markt. Investoren verlangen einen höheren Zins, wenn sie umfangreiche Neuemissionen aufnehmen sollen. Mitte August erreichten neu versteigerte zehnjährige US-Staatsanleihen Renditen, wie sie zuletzt vor der Finanzkrise beobachtet wurden.

Hinzu kommen geopolitische Risiken. Steigende Öl- und Gaspreise könnten die Inflation erneut beschleunigen. Am 13. August fiel die US-Zehnjahresrendite zwar leicht auf rund 4,67 Prozent, nachdem sich die Ölpreise abgeschwächt hatten. Die Bund-Rendite stieg gleichzeitig geringfügig auf etwa 3,16 Prozent, weil die Unsicherheit über Energieversorgung und Lieferketten anhielt.

Experten sehen attraktive Einstiegsniveaus

Ungeachtet der Unsicherheit beurteilen mehrere Anleihemanager die aktuellen Renditen als zunehmend attraktiv. Damien McCann, Fixed-Income-Portfoliomanager bei Capital Group, erklärte im Juni: „Wir befinden uns weiter in einer Phase erhöhter Renditen – eine ausgezeichnete Ausgangslage für künftige Erträge.“ Um ähnlich attraktive Renditeerwartungen zu finden, müsse man etwa 17 Jahre zurückgehen.

Sein Kollege Chitrang Purani warnt zugleich, dass der Energiepreisschock nicht nur die Inflation beeinflusst. Er mache sich zunehmend Sorgen, „wie der Krieg das Wirtschaftswachstum belasten könnte“, da viele Verbraucher kaum finanziellen Spielraum für einen weiteren Preisschub hätten. Schwächeres Wachstum wäre grundsätzlich positiv für hochwertige Staatsanleihen: Es würde den Druck auf die Notenbanken reduzieren und könnte Kursgewinne bei längeren Laufzeiten auslösen.

Die hohen Anfangsrenditen bieten zudem einen gewissen Puffer gegen moderate weitere Zinsanstiege. Fallen die Marktrenditen, profitieren bestehende Anleihen zusätzlich durch steigende Kurse. Dieses Potenzial ist bei langen Laufzeiten besonders groß – ebenso allerdings das Verlustrisiko, falls die Renditen nochmals deutlich zulegen.

Der Gipfel ist eher ein Plateau

Die wahrscheinlichste Antwort lautet daher: Bei kurzen Laufzeiten könnten die Renditen ihren Höchststand erreicht haben, bei langen Laufzeiten ist das noch nicht überzeugend belegt. Der Markt dürfte weniger einen klaren Gipfel als ein volatiles Hochplateau ausbilden.

Für einen nachhaltigen Rückgang müssten mehrere Bedingungen zusammenkommen: Die Kerninflation müsste weiter sinken, Energiepreise und Inflationserwartungen müssten stabil bleiben, und die Konjunktur dürfte keine neue Beschleunigung zeigen. Gleichzeitig müsste die Nachfrage nach den umfangreichen Staatsanleiheemissionen robust bleiben.

Das Gegenrisiko ist klar: Ein neuer Energiepreisschub, höhere Staatsdefizite oder eine steigende Laufzeitprämie könnten zehn- und dreißigjährige Renditen noch einmal nach oben treiben. Anleger erhalten derzeit wieder attraktive laufende Erträge – sollten daraus aber nicht vorschnell schließen, dass das Zinsrisiko verschwunden ist.


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