Warum Anleger bei Microsoft, Alphabet und Amazon auf die KI-Milliarden schauen

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Hoch aufgetürmter Stapel aus Halbleiter-Chips wirft einen Schatten über Dollarnoten im Dunkeln.
KI-generiert mit OpenAI
Ob sich der riskante Höhenflug der Investitionen rechnet, zeigt sich erst in den Bilanzen der kommenden Tage.

Microsoft und Alphabet veröffentlichen am 28. Oktober 2026 ihre Quartalszahlen, Amazon folgt einen Tag später. Nach mehrfach erhöhten Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz richten Anleger den Blick auf Cloud-Wachstum und Investitionsausgaben - auch mit Folgen für die Alphabet-Aktie.

Microsoft und Alphabet legen ihre Quartalszahlen am Mittwoch, 28. Oktober 2026, nach US-Börsenschluss vor. Amazon zieht einen Tag später nach, am Donnerstag, 29. Oktober 2026. Im Fokus steht diesmal nicht allein der Gewinn, sondern die Frage, ob sich die hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz rechnen - mit Folgen für die Alphabet-Aktie, die Microsoft-Aktie und die Amazon-Aktie in der laufenden Handelswoche.

Die Termine im Überblick

Für Microsoft handelt es sich um das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027, das die Monate Juli bis September 2026 umfasst. Der Earnings-Call beginnt laut Unternehmensangabe um 14:30 Uhr Pacific Time. Alphabet berichtet über das dritte Quartal 2026 und meldet ebenfalls am 28. Oktober 2026. Die Telefonkonferenz mit Analysten startet dort um 16:30 Uhr Eastern Time, wie aus dem Earnings-Kalender des Finanzdienstleisters MarketBeat hervorgeht. Amazon folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal einen Tag später. Der genaue Beginn der Telefonkonferenz war bei Redaktionsschluss nicht gesondert bekannt.

UnternehmenBerichtszeitraumVeröffentlichungBeginn Call
Microsoft1. Quartal Geschäftsjahr 2027 (Juli bis September 2026)28. Oktober 2026, nach Börsenschluss14:30 Uhr Pacific Time
Alphabet3. Quartal 2026 (Juli bis September 2026)28. Oktober 2026, nach Börsenschluss16:30 Uhr Eastern Time
Amazon3. Quartal 2026 (Juli bis September 2026)29. Oktober 2026, nach Börsenschlussnicht gesondert mitgeteilt
Quelle: Microsoft, Amazon (Unternehmensangaben), MarketBeat (Earnings-Kalender)

Weshalb die Investitionssummen besondere Aufmerksamkeit erhalten

Sämtliche drei Unternehmen haben ihre Investitionspläne für 2026 im Jahresverlauf mehrfach angehoben. Alphabet setzte die Prognose für die Investitionen im Gesamtjahr nach oben: Statt der zuvor avisierten Spanne von 180 bis 190 Milliarden US-Dollar nennt der Konzern nun eine Spanne von 195 bis 205 Milliarden US-Dollar. Auch Amazon-Chef Andy Jassy erhöhte den für das Jahr geplanten Betrag, und zwar von zuvor rund 200 Milliarden auf nun rund 220 Milliarden US-Dollar. Als Grund nannte er gestiegene Preise für Speicherchips.

UnternehmenBisherige Jahresprognose 2026Aktuelle Jahresprognose 2026
Alphabet180 bis 190 Milliarden US-Dollar195 bis 205 Milliarden US-Dollar
Amazonrund 200 Milliarden US-Dollarrund 220 Milliarden US-Dollar
Quelle: Alphabet, Amazon (Earnings Calls zum zweiten Quartal 2026)

Microsoft beziffert seine Investitionen dagegen quartalsweise. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, vorgelegt Ende Juli 2026, lagen die Ausgaben bei rund 41 Milliarden US-Dollar. Etwa zwei Drittel davon flossen in kurzlebige Technik wie Grafik- und Hauptprozessoren. Für das bevorstehende Quartal kündigte Microsoft Investitionsausgaben von mehr als 50 Milliarden US-Dollar an, nach eigenen Angaben einschließlich eines Effekts aus der geänderten Annahme zur Nutzungsdauer. Wie groß dieser Effekt ausfällt, nannte der Konzern allerdings nicht.


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Cloud-Wachstum soll die Milliarden rechtfertigen

Ob sich die hohen Investitionen auszahlen, hängt entscheidend vom Tempo der Cloud-Sparten ab. Google Cloud verzeichnete im zweiten Quartal 2026 ein Umsatzplus von 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Der Alphabet-Konzernumsatz stieg zugleich um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar. Für die Alphabet-Aktie dürfte dieses Tempo mitentscheiden, ob Anleger die hohen Ausgaben für Rechenzentren mittragen.

Die vorangegangenen Amazon-Quartalszahlen zeigten für die Cloud-Sparte AWS ein Umsatzplus von 36,7 Prozent, die operative Marge der Sparte erreichte 39 Prozent. Bemerkenswert ist zudem der Auftragsbestand: Der vertraglich gebundene Backlog von AWS stieg laut Amazon-Chef Jassy innerhalb nur eines Quartals von 364 auf 496 Milliarden US-Dollar.

Beim Cloud-Dienst Azure stellte Microsoft für das laufende Quartal ein Wachstum zwischen 44 und 45 Prozent in konstanten Währungen in Aussicht. Bleibt das Tempo der Cloud-Umsätze klar über dem der steigenden Investitionen, dürften Anleger darin einen Beleg für die KI-Strategie sehen. Fällt es dahinter zurück, dürfte die Debatte über die Rentabilität der Ausgaben neuen Auftrieb erhalten.

Nasdaq-Korrektur und Warnsignale am Kreditmarkt

Bereits vor der Berichtssaison geriet der Nasdaq 100 unter Druck. Vom Rekordhoch bei 31.361 Punkten, erreicht am 6. Oktober 2026, ging der Index binnen weniger Handelstage um rund 4,8 Prozent zurück und markierte am 14. Oktober 2026 sein Tagestief. Bloomberg-Daten zufolge war das der schwächste Wochenverlauf seit den Zollturbulenzen im April 2025.

Zusätzlich belastet die Kursentwicklung von CoreWeave die Stimmung. Der Anbieter von KI-Infrastruktur verlor am 14. Oktober 2026 rund 15,5 Prozent an der Börse, nachdem Zweifel an seiner schuldenfinanzierten Expansion zunahmen. Das Unternehmen hat Schulden und Verpflichtungen für Rechenzentren von mehr als 51 Milliarden US-Dollar aufgebaut.

Auch am Kreditmarkt mehren sich die Warnsignale. Für CoreWeave kletterten die Risikoaufschläge fünfjähriger Credit-Default-Swaps im Oktober 2026 zeitweise auf über 1.000 Basispunkte. Das gilt als Zeichen für deutlich gestiegene wahrgenommene Ausfallrisiken bei fremdfinanzierten Rechenzentrumsbetreibern, den sogenannten Neoclouds.

Hinzu kommt die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed, die ebenfalls für den 28. Oktober 2026 angesetzt ist. Die Terminmärkte rechnen laut dem Fed Rate Monitor von Investing.com mit rund 90,6 Prozent Wahrscheinlichkeit damit, dass der Leitzinskorridor von 3,75 bis 4,00 Prozent unverändert bleibt. Dabei handelt es sich um eine Markterwartung, nicht um eine Gewissheit. Für hoch bewertete Technologietitel wie die Alphabet-Aktie, die Microsoft-Aktie und die Amazon-Aktie hat der Zinspfad dennoch besonderes Gewicht.

Was die Zahlen für die Alphabet-Aktie und Anleger bedeuten

Berater, Fondsvermittler und institutionelle Investoren achten bei dieser Berichtssaison besonders auf drei Punkte: Wächst das Cloud-Geschäft schneller, als die Investitionen zulegen? Wie entwickeln sich die operativen Margen in den Cloud-Sparten? Und was verraten die Auftragsbestände über die künftige Nachfrage? Übersteigt das Tempo der Ausgaben das Umsatzwachstum der Cloud-Sparte dauerhaft, gerät der freie Cashflow unter Druck - ein Risiko, das bei hoch bewerteten Werten wie der Alphabet-Aktie besonders schwer wiegt.

„Die Anleger zweifeln nicht mehr grundsätzlich am Potential Künstlicher Intelligenz, sondern fragen immer lauter nach der Rendite der gewaltigen Infrastrukturinvestitionen“, sagt Andreas Lipkow, Analyst bei CMC Markets. Nach seiner Einschätzung werden die Management-Ausblicke zu künftigen Investitionen wesentlich beeinflussen, ob die bislang vorherrschenden Gewinnmitnahmen fortgesetzt werden oder die Anleger wieder Zutrauen in die hohen Bewertungen gewinnen.

Der Investitionsschub reicht dabei über die drei berichtenden Konzerne hinaus. Laut einer Marktschätzung belaufen sich die KI-Investitionen der vier größten Hyperscaler - Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta - im Jahr 2026 auf rund 730 Milliarden US-Dollar, verglichen mit etwa 410 Milliarden US-Dollar im Vorjahr 2025. Diese Angabe basiert auf einer Marktanalyse und konnte nicht anhand offizieller Unternehmensangaben verifiziert werden. Sie dient daher nur als grobe Orientierung.

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