Die US-Notenbank Federal Reserve steuert auf ein ungewöhnlich dichtes Terminfenster zu: Das Offenmarktkomitee FOMC tagt am 27. und 28. Oktober 2026, der Fed-Zinsentscheid wird laut dem offiziellen Sitzungskalender der Notenbank um 19 Uhr MEZ veröffentlicht. Kurz danach legen Microsoft und Alphabet ihre Quartalszahlen vor, einen Tag später folgt Amazon. Am 30. Oktober verfallen zudem an der Kryptobörse Deribit Bitcoin-Optionen mit einem Nominalwert von rund elf Milliarden Dollar. Innerhalb weniger Tage treffen damit für Berater und Anleger mehrere unsichere Faktoren gleichzeitig aufeinander.
Fed tagt erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh
Es ist die erste reguläre Sitzung unter einem neuen Vorsitzenden: Der US-Senat bestätigte Kevin Warsh am 13. Mai 2026 mit 54 zu 45 Stimmen als Nachfolger von Jerome Powell, wie der Sender CNBC berichtete. Vereidigt wurde Warsh neun Tage später, am 22. Mai 2026.
Zinserhöhung im September markiert Kurswechsel
Der geldpolitische Kurs selbst sorgt für Aufmerksamkeit: Am 16. September 2026 votierte das Offenmarktkomitee einstimmig, mit zwölf zu null Stimmen, für eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte. Die Spanne liegt seither bei 3,75 bis 4,00 Prozent - der erste Zinsschritt nach oben seit Juli 2023, wie die Federal Reserve mitteilte.
Begleitet wird der Kurswechsel von deutlich höheren Ölpreisen: Der seit Ende Februar 2026 andauernde bewaffnete Konflikt der USA, Israels und des Iran trieb die Notierungen nach oben. Die OECD warnte bereits im März 2026, dass die US-Inflation im weiteren Jahresverlauf bis auf 4,2 Prozent klettern könnte - lediglich eine Schätzung, kein feststehender Wert.
Die bislang veröffentlichten Daten zeigen ein moderateres Bild: Laut Arbeitsministerium betrug die US-Teuerungsrate im September 2026 3,7 Prozent, während die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel von 2,4 auf 2,6 Prozent anstieg.
Markt erwartet beim Fed-Zinsentscheid eine Pause
Trotz des restriktiveren Kurses rechnen Marktteilnehmer für den 28. Oktober überwiegend mit einer Zinspause. Laut CME-FedWatch-Daten, auf die sich Reuters beruft, liegt die Chance auf einen unveränderten Leitzins bei rund 90 bis 92 Prozent; eine erneute Anhebung wird dagegen nur mit fünf bis neun Prozent eingepreist.
Für die Sitzung im Dezember sieht das Bild allerdings anders aus: Dort gilt laut denselben Daten mit 78 bis 84 Prozent eine weitere Zinserhöhung als wahrscheinlich.
Technologie-Quartalszahlen fallen in eine angespannte Börsenphase
Kurz nach der Zinsentscheidung legen Microsoft und Alphabet am Abend des 28. Oktober ihre Geschäftszahlen vor, Amazon folgt einen Tag später. Zusammengenommen bringen die drei Technologiekonzerne einen Börsenwert von etwa 10,5 Billionen Dollar auf die Waage - und sie sind nicht allein: Reuters zufolge legt in dieser Woche rund ein Drittel aller S&P-500-Firmen seine Bilanz vor.
Seit Jahresbeginn 2026 hat der S&P 500 um rund zwölf Prozent zugelegt; am 23. Oktober stand der Index bei 7.623,68 Punkten, ein Minus von 0,52 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Nasdaq notierte bei 25.955,34 Punkten, ein Rückgang von 0,21 Prozent. Gegenüber Reuters äußerte sich Nick Giorgi, der als Chief Equity Strategist bei Alpine Macro tätig ist, dahingehend, dass in der kommenden Woche noch deutlich mehr Technologie-Unternehmen ihre Zahlen vorlegen würden und der Markt derzeit besonders genau auf die Investitionen im Bereich künstliche Intelligenz achte.
Für King Lip, der als Chief Strategist bei BakerAvenue Wealth Management arbeitet, stellen die bevorstehenden Zahlen eine Weichenstellung für die Technologiebranche dar. Gegenüber Reuters sagte er, die Ergebnisse würden entscheiden, ob der Rückgang bei Tech-Aktien eine Kaufgelegenheit sei oder ob eine tiefere Korrektur bevorstehe. Nötig sei schlicht eine weitere Runde wirklich starker Quartalszahlen.
Bitcoin vor dem größten Optionsverfall des Monats
Die Kryptobranche steuert zeitgleich auf einen eigenen Stresstest zu. An der Optionsbörse Deribit verfallen am 30. Oktober um acht Uhr UTC Bitcoin-Optionen im Nominalwert von 10,7 bis 11,3 Milliarden Dollar. Das entspricht laut CryptoBriefing rund 35 Prozent des insgesamt offenen Interesses auf der Plattform.
Das sogenannte Max-Pain-Niveau liegt bei 78.000 bis 79.000 Dollar, bei einer Put-Call-Ratio von rund 0,4 bis 0,56. Der umfangreichste Einzelkontrakt ist ein Call mit einem Basispreis von 95.000 Dollar; das offene Interesse dafür beläuft sich auf etwa 24.000 Bitcoin, was umgerechnet rund 2,1 Milliarden Dollar entspricht.
Der Bitcoin-Kurs selbst gab zuletzt deutlich nach: Vom Wochenhoch bei 84.835 Dollar am 22. Oktober ging es bis zum Donnerstagabend, 23. Oktober, auf 80.949 Dollar abwärts; am Sonntagmorgen, 25. Oktober, lag die Kryptowährung bei 80.853 Dollar, was einem Abstand von 35,9 Prozent zu ihrem Rekordhoch von 126.080 Dollar entspricht.
Auch bei den börsengehandelten Fonds überwiegen die Abflüsse: Aus US-Spot-Bitcoin-ETFs flossen am 22. Oktober netto 635,49 Millionen Dollar ab, nachdem bereits in den beiden Wochen zuvor rund 909,7 Millionen Dollar abgezogen worden waren - das zeigen Daten des Anbieters SoSoValue, auf die sich unter anderem Cryptonews beruft.
Bemerkenswert ist zudem die geringe implizite Volatilität: Der DVOL, der Volatilitätsindex von Deribit, notierte zuletzt bei rund 37 Punkten und damit nahe mehrjähriger Tiefstände. Die tatsächlich realisierte Volatilität im Jahr 2026 bewegt sich zwischen 40 und 47 Prozent - historisch betrachtet lag dieser Wert oft über 80 Prozent.
Ölpreis, Dollar und Gold als weitere Einflussfaktoren
Der Dollar-Index lag am 23. Oktober bei 101,60 Punkten; im Laufe des Monats hatte er mit rund 102,5 bis 102,9 Punkten zeitweise ein 18-Monats-Hoch markiert.
Die Ölsorte Brent kletterte im Oktober auf 113 bis 117 Dollar pro Barrel und erreichte damit den höchsten Wert seit dem 4. Mai 2026. Treiber ist weiterhin der Konflikt im Nahen Osten.
Beim Gold zeigte sich die gegenteilige Entwicklung: Am 23. Oktober lag der Preis für eine Feinunze bei 3.996 Dollar - nach der schwächsten Wochenbilanz seit Juni 2026 mit einem Minus von vier Prozent.
Am 29. Oktober folgen zudem weitere wichtige Daten: die PCE-Inflationsrate und das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal. Laut dem Nowcast-Modell der Cleveland Fed dürfte die Kernrate des PCE-Index bei 3,1 Prozent liegen, die Gesamtrate bei 3,6 Prozent - beides vorläufige Schätzwerte vor der amtlichen Veröffentlichung.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 27.-28. Oktober | FOMC-Sitzung der Federal Reserve |
| 28. Oktober, 19 Uhr MEZ | Fed-Zinsentscheid |
| 28. Oktober, nach Börsenschluss | Quartalszahlen Microsoft und Alphabet |
| 29. Oktober | Quartalszahlen Amazon |
| 29. Oktober, 8:30 Uhr ET | PCE-Inflationsdaten und BIP für das dritte Quartal |
| 30. Oktober, acht Uhr UTC | Bitcoin-Optionsverfall bei Deribit (rund elf Milliarden Dollar) |
Die wichtigsten Fragen zum Fed-Zinsentscheid
Wie hoch sind die aktuellen Leitzinsen in den USA?
Nach der Zinserhöhung im September 2026 liegt die Leitzinsspanne der Fed bei 3,75 bis 4,00 Prozent.
Wurden die US-Zinsen zuletzt gesenkt oder erhöht?
Das Offenmarktkomitee hat den Leitzins zuletzt am 16. September 2026 erhöht, nicht gesenkt - die erste Anhebung seit Juli 2023. Für den Fed-Zinsentscheid am 28. Oktober rechnen Marktteilnehmer laut CME-FedWatch-Daten dagegen überwiegend mit einer Zinspause.














