Dirk Müller: „Wir feiern eine Gartenparty über der Erdbebenspalte“

Werden die Folgen nicht schwerwiegender, wenn die Blase noch jahrelang anhält?

Das ist korrekt. Diese Blase ist jetzt schon so groß, dass wir es rund um den Globus merken werden, wenn sie platzt. Das ist jenseits von dem, was wir 2008 erlebt haben. Wir können nur hoffen, dass das möglichst lange in der Zukunft liegt, denn auf normalem Weg wird das nicht einfach zu lösen sein.

Durch die Globalisierung sind wir miteinander vernetzt, sodass ein Platzen der Blase, was in früheren Jahrzehnten immer noch regional begrenzt war, heute global gleichzeitig stattfinden würde mit entsprechenden Auswirkungen für sämtliche Bereiche.

Sie gehen aber nicht davon aus, dass das schon Thema in 2018 wird?

Das kann Ihnen niemand sagen. Momentan geht es uns wunderbar. Wir haben eine sensationelle Konjunkturlage rund um den Globus. In China läuft es rund, in Europa läuft es rund. Sonst war es immer so, dass die Prognosen von den Instituten zu Anfang des Jahres zu optimistisch waren, im Laufe des Jahres abgeschwächt wurden. 2017 haben wir gesehen, dass die Prognosen immer weiter nach oben angepasst werden mussten, weil die Konjunktur uns positiv überrascht hat.

Die Liquidität der letzten Jahre ist jetzt in Aktion, wir beobachten eine immer stärkere Beschleunigung der Weltwirtschaft. Und das kann auch zum Heißlaufen führen. In der Folge würden die Zinsen angehoben, was die Konjunktur wieder abwürgen und zur nächsten Rezession führen würde.

Das ist ein völlig normaler Zyklus, aber im Augenblick sind wir auf dieser letzten heißen Phase, des Heißlaufens, des richtig brennenden Feuers, und das kann durchaus noch eine ganze Weile anhalten, aber niemand wird sagen können wie lange. Wenn durch Zinssteigerung das System zum Abkühlen gebracht wird, dann erwarten uns ganz heftige Korrekturen.

Und ich möchte diesen Begriff bemühen: Wir haben eine Villa in San Francisco, über der Erdbebenspalte, und wir feiern eine Gartenparty, der Schampus fließt und wir haben richtig Spaß. Die Spannungen in der Spalte unter uns nehmen täglich und stündlich zu. Das wissen wir. Aber im Moment ist es ruhig. Es gibt keinen Grund, die Party abzubrechen.

Wir dürfen gerne weiter feiern. Aber wir sollten die Seismographen im Auge behalten und wenn die anfangen nervös zu werden, dann gilt es, vielleicht doch zusammenzupacken. So muss man es beobachten. Niemand wird Ihnen sagen können, wann das losgeht. Das kann morgen früh passieren, das kann aber auch zehn Jahre in der Zukunft liegen. Damit muss man sich abfinden.

Interview: Katharina Lamster

Foto: Frank Seifert

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