Mike O’Sullivan, Chefökonom bei Moonfare: Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen nicht angehoben, hat jedoch eine deutliche Warnung ausgesprochen, um einem Anstieg der Inflationserwartungen entgegenzuwirken.
Das Umfeld bleibt für die EZB schwierig und risikobehaftet. Die geldpolitischen Entscheidungsträger sind besonders besorgt über das Risiko, dass sich die Inflationserwartungen festsetzen und einen Preisanstieg auslösen könnten, wie er 2022 zu beobachten war. Einige Umfragen sowie „harte“ Daten deuten sowohl auf einen Anstieg der Preise als auch der Inflationserwartungen hin. Vor diesem Hintergrund erwarten wir eine sehr restriktive Kommunikation seitens der EZB-Führung – nicht nur im Umfeld der Sitzung, sondern auch in den darauffolgenden Wochen.
Die EZB und die europäischen Behörden beobachten zudem die fiskalpolitischen Reaktionen der EU-Mitgliedstaaten auf die Energiekrise, die bisher verhalten ausgefallen sind. In einigen Fällen, besonders in Frankreich, wurde die Auswirkung durch einen günstigen Energiemix und ein leistungsfähiges Netz abgefedert. In Ländern wie Frankreich und Spanien hat dieser Energiemix dazu beigetragen, die Auswirkungen des Öl- und Gaspreisanstiegs zu begrenzen – dennoch achtet die EZB aufmerksam auf jegliche Anzeichen eines negativen Nachfrageschocks.
Das Risiko besteht darin, dass das Wirtschaftswachstum der Eurozone im Kontext zunehmender Kraftstoffknappheit und hoher Energiepreise beeinträchtigt werden könnte. Ein extremes Risikoszenario für die EZB wäre eine Entscheidung der USA, ihre Ölexporte zu drosseln. Dies würde die Eurozone höheren Energiepreisen als in den USA sowie einer erhöhten Volatilität bei Anleihen und Devisen aussetzen.











