„EZB droht, Fehler von 2008 und 2011 zu wiederholen“

Ulrike Kastens, Senior Economist, DWS: Die EZB hat heute den Einlagensatz unverändert bei 2,0 Prozent belassen. Angesichts der unvollständigen Datenlage und der unklaren geopolitischen Situation war dies eine gute Entscheidung, die zudem einstimmig getroffen wurde. In der anschließenden Pressekonferenz wurde jedoch deutlich, dass die EZB eine klare Tendenz in Richtung Zinserhöhung hat. Grundsätzlich wurde über die Möglichkeit von Zinserhöhungen gesprochen, wenn auch nicht auf der heutigen Sitzung. Zwar konnte EZB-Präsidentin Lagarde keine klare Positionierung dazu angeben, ob man sich noch im Basisszenario oder bereits im „adversen Szenario“ befinde, das eine längere Phase hoher Energiepreise beinhaltet. Sie betonte jedoch, dass man sich in diese Richtung bewege. Zudem wies die EZB-Präsidentin darauf hin, dass im Juni nicht nur neue Projektionen zu Wachstum und Inflation, sondern auch weitere Daten verfügbar sein werden, die möglicherweise Hinweise auf Zweitrundeneffekte liefern könnten. Sie wies aber auch darauf hin, dass sich die Finanzierungsbedingungen zuletzt verschlechtert hätten, wodurch der EZB ein Teil der Arbeit abgenommen würde. Vor diesem Hintergrund steigender Inflationsrisiken könnte die EZB in den kommenden Monaten den Leitzins erhöhen. Angesichts der hohen geopolitischen Unsicherheit erwarten wir jedoch kein hektisches, sondern ein besonnenes Vorgehen der EZB.

Ulrike Kastens (Foto: DWS)
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