„EZB droht, Fehler von 2008 und 2011 zu wiederholen“

Dr. Michael Heise, Chefökonom beim Family Office HQ Trust: Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen unverändert gelassen, auch wenn das Stabilitätsziel von 2 % deutlich verfehlt wird. Sie kann die Zielverfehlung allerdings in erster Linie externen Faktoren wie der Verteuerung von Öl-, Gas und anderen Produkten aus dem arabischen Raum zuschreiben, auf die die Notenbank keinen direkten Einfluss hat.

Eine Zinserhöhung wäre in der derzeitigen Lage problematisch gewesen. Der konjunkturbremsende Effekt der hohen Öl- und Gaspreise ist für die EWU beträchtlich. Im Gegensatz zu den USA ist die EWU ein großer Nettoimporteur von Öl und Gas.

Die EWU wird bei länger anhaltenden Preisspitzen für Energie rasch an die Grenze der Rezession geraten. 

Die EZB dürfte die Zinsen vorerst unverändert lassen, da auch in den jüngsten Daten keine Folgeeffekte der Energiepreiskrise wie starke Lohnerhöhungen sichtbar sind. 

Bis zur Jahresmitte dürfte die Konjunktur in der EWU sehr schwach bleiben. Stärkere Zweitrundeneffekte bei der Inflation sind ebenfalls nicht ausgemacht. Daher dürfte eine Zinserhöhung der EZB auch im Juni ausbleiben.

Dr. Michael Heise (Foto: HQ Trust)

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