SpaceX vor Bewährungsprobe: Quartalszahlen und Milliarden-Unlock im Fokus

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Foto: Gemini
SpaceX steht vor Quartalszahlen und dem Ende der Lock-up-Frist. Warum beide Termine für die Aktie entscheidend sind.

SpaceX steht vor einer entscheidenden Woche. Auf die ersten Quartalszahlen nach dem Börsengang folgt das Ende der Lock-up-Frist für Frühinvestoren und Mitarbeiter. Ob die Aktie den möglichen Verkaufsdruck verkraftet, dürfte weit über das Unternehmen hinaus Signalwirkung für den Technologiesektor haben.

Am 6. August, nur zwei Handelstage nach den Zahlen, endet die erste Lock-up-Frist. Frühinvestoren und Mitarbeiter dürfen dann erstmals einen Teil ihrer Aktien verkaufen. Im Extremfall könnten Aktien im Wert von mehreren hundert Milliarden US-Dollar auf den Markt kommen. Das würde das Angebot an frei handelbaren Aktien schlagartig erhöhen.


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Zwar war das Ende der Lock-up-Frist seit dem Börsengang bekannt und dürfte daher teilweise im Kurs berücksichtigt sein. Wie hoch der tatsächliche Verkaufsdruck nach Ablauf der Frist tatsächlich ausfällt, lässt sich jedoch nicht vorwegnehmen. Genau deshalb dürften die Quartalszahlen darüber entscheiden, wie groß die Verkaufsbereitschaft ausfällt. Enttäuschen die Ergebnisse, könnte der Verkaufsdruck deutlich zunehmen. Überrascht SpaceX dagegen mit starken Zahlen, dürfte die Verkaufsbereitschaft sinken. 

Damit wird die Lock-up-Periode zum ersten echten Belastungstest für die Nachfrage nach der Aktie. Rund um den 4. und 6. August dürfte die Volatilität deshalb deutlich zunehmen. 

Die Kombination aus den ersten Quartalszahlen und dem darauffolgenden Milliarden-Unlock macht dieses Ereignis zu einem echten Makro-Event für den gesamten Technologiesektor. Normalerweise betreffen Quartalszahlen nur das einzelne Unternehmen. Bei SpaceX steht jedoch der größte IPO der Finanzgeschichte auf dem Prüfstand.

Warum SpaceX anders ist 

Bei SpaceX ist das Unternehmen untrennbar mit Elon Musk verbunden. Er ist gleichzeitig visionärer Chefingenieur, strategischer Kopf und die prägende Figur hinter der Marke SpaceX. Investoren räumen SpaceX eine astronomische Bewertung zu, weil sie darauf vertrauen, dass Elon Musk selbst komplexeste technische Herausforderungen lösen kann. 

Genau darin liegt aber auch die Kehrseite. Jede Kontroverse um seine Person, politische Äußerungen oder die Ablenkung durch andere Projekte wie Tesla oder X kann sich unmittelbar im Aktienkurs niederschlagen. Fällt das Vertrauen in Musk, könnte auch die Bewertungsprämie von SpaceX unter Druck geraten. Das Vertrauensvotum am 6. August wird zeigen, ob die frühen Investoren weiterhin auf Musks Vision setzen oder Gewinne realisieren. 

SpaceX besteht aus drei sehr unterschiedlichen Geschäftsbereichen: Starlink, Space und AI. Starlink ist dabei mit Abstand der wichtigste und profitabelste Bereich. Im ersten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von 4,69 Milliarden US-Dollar. Starlink fungiert als zentraler Cashflow-Motor und erzielte zuletzt eine operative Marge von rund 36,5 Prozent. 

Die AI-Sparte investiert dagegen massiv und belastet das Konzernergebnis erheblich. Auch das Raumfahrtgeschäft steht trotz attraktiver Margen bei Raketenstarts unter Druck, weil die Entwicklung von Starship enorme Forschungs- und Entwicklungsausgaben erfordert. 

Genau diese Struktur erklärt auch, warum sich SpaceX derzeit kaum mit klassischen Bewertungskennzahlen wie dem Forward-KGV beurteilen lässt. Das Unternehmen schreibt in seiner aktuellen Wachstumsphase noch Verluste. Ein klassisches KGV wäre daher rechnerisch negativ und wenig aussagekräftig. Stattdessen bewertet der Markt vor allem den langfristigen Wert der Starlink-Konstellation und der KI-Infrastruktur. 

Dennoch traut die Wall Street SpaceX weiteres Potenzial zu. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 236 US-Dollar und damit mehr als 100 Prozent über dem aktuellen Kurs. Anleger investieren heute nicht in aktuelle Gewinne, sondern in die Vision einer zukünftigen Infrastruktur im Weltraum und im Bereich künstlicher Intelligenz. 

Wie ambitioniert diese Erwartungen sind, zeigt ein Vergleich mit Nvidia. Der Chipkonzern verdiente allein im ersten Quartal 2026 mit 58,3 Milliarden US-Dollar mehr als das Dreifache des gesamten SpaceX-Umsatzes des Jahres 2025. Wer heute in SpaceX investiert, akzeptiert bewusst die aktuellen Verluste in der Hoffnung auf außergewöhnliches langfristiges Wachstum. Gleichzeitig zeigt die Realität an der Wall Street immer wieder, dass selbst die größten Visionen kurzfristig an harten Geschäftszahlen gemessen werden.  

Vision trifft Realität

SpaceX, H4-Chart. Quelle: etoro 

Die SpaceX-Aktie hat sich gegenüber ihrem Rekordhoch halbiert. Solche Kursbewegungen sind nach Börsengängen allerdings keine Seltenheit. Reddit verlor nach dem IPO zeitweise ähnlich stark, Meta büßte zwischenzeitlich mehr als 60 Prozent ein und Uber sogar über 70 Prozent. 

Börsengänge von Kult-Unternehmen werden häufig mit enormen Erwartungen begleitet. Bemerkenswert ist bei SpaceX jedoch die Größenordnung. Wir sprechen nicht über ein Start-up, sondern über ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung im Billionenbereich.

Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.

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