Wenn das Einkommen wegfällt: Wie Kreditnehmer ihre Baufinanzierung schützen

Bauzinsen
Foto: Cash./KI-generiert mit ChatGPT
Symbolbild (mit KI generiert)

Bei einer Immobilienfinanzierung achten viele zuerst auf Konditionen und Eigenkapital. Eine wichtige Frage kommt oft zu kurz: Was passiert, wenn plötzlich ein Einkommen wegfällt und die Darlehensrate weiterläuft? Schwäbisch Hall-Finanzexpertin Jennifer Radke erklärt, wie Kreditnehmer ihre Finanzierung von Anfang an absichern.

Fällt ein relevantes Einkommen weg, etwa durch Krankheit, Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Trennung oder einen Todesfall, wird die Finanzierung schnell zur Belastungsprobe. Denn die finanzielle Verpflichtung gegenüber der Bank bleibt bestehen – und Rücklagen sind oft schneller aufgebraucht als gedacht.

„Viele Kreditnehmer kümmern sich zu spät darum, ihre Finanzierung gegen einen Einkommensausfall zu schützen“, sagt Radke. „Dabei entscheidet genau das oft darüber, ob sie eine Finanzierung auch in schwierigen Lebensphasen tragen können.“ Deshalb gilt: Kreditnehmer sollten das Risiko nicht erst im Ernstfall angehen, sondern von Anfang an in ihre Planung einbauen.

Das unterschätzte Risiko: Wenn ein Einkommen wegfällt

Eine solide Baufinanzierung endet nicht mit der passenden Monatsrate. Auch die Absicherung möglicher Lebensrisiken gehört dazu. „Gute Beratung heißt nicht, möglichst viele Versicherungen abzuschließen, sondern die persönliche Situation realistisch einzuschätzen“, erklärt Radke. Vor allem drei Fragen helfen weiter:

  • Wie tragfähig ist die Rate, wenn ein Einkommen vorübergehend oder dauerhaft wegfällt?
  • Welche Rücklagen sind vorhanden und für wie viele Monatsraten reichen sie realistisch?
  • Welche existenziellen Risiken sollten gezielt abgesichert werden, damit die Zahlungsunfähigkeit erhalten bleibt?

Welche Absicherungen sinnvoll sind

Risikolebensversicherung: Ein besonders wichtiger Schutzbaustein ist die Risikolebensversicherung. Sie sorgt dafür, dass eine Finanzierung im Todesfall nicht zur existenziellen Belastung für Hinterbliebene wird. Je nach Vertragsgestaltung kann sie die Restschuld ganz oder teilweise absichern. Besonders relevant ist das bei einer gemeinsamen Finanzierung, Familien oder wenn ein Hauptverdiener den größten Teil der Finanzierung trägt.

Berufsunfähigkeits- und Einkommensabsicherung: Auch eine langfristige Arbeitsunfähigkeit mit Einkommensausfall wird häufig unterschätzt. Dabei zählt sie zu den größten Risiken für die laufende Kreditrate. Fällt das Einkommen krankheitsbedingt über längere Zeit weg, geraten selbst gut geplante Finanzierungen schnell ins Wanken. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann helfen, die laufenden Darlehensraten weiterhin zuverlässig zu bedienen und finanzielle Engpässe zu vermeiden.

Rücklagen und flexible Kreditgestaltung: Neben Versicherungen brauchen Kreditnehmer auch genug Liquiditätsreserven. Rücklagen überbrücken vorübergehende Einkommenslücken und verhindern Zahlungsausfälle. „Eine Rücklage von mindestens drei, idealerweise sechs Monatsraten ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen“, so Jennifer Radke.

Ebenso wichtig sind flexible Vertragsoptionen wie ein Tilgungssatzwechsel oder eine Ratenanpassung. Sie reduzieren die monatliche Belastung vorübergehend, wenn sich die finanzielle Situation verändert.
Dennoch sollte die Rate bereits beim Abschluss so gewählt werden, dass sie auch bei unerwarteten Belastungen langfristig tragbar bleibt, so die Empfehlung von Schwäbisch Hall.

Viele verzichten aus falscher Sicherheit

Trotz dieser Möglichkeiten verzichten viele Kreditnehmer auf eine Absicherung. Manche verlassen sich auf vorhandene Rücklagen, andere halten einen längeren Einkommensausfall für unwahrscheinlich. Häufig spielen auch Kosten oder Zweifel daran, ob Versicherungen im Ernstfall tatsächlich leisten, eine Rolle.

Und auch wenn Betroffene in einer kritischen Situation Unterstützung vom Staat erhalten: „Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Krankengeld sichern vor allem den Lebensunterhalt – für Kreditraten reichen sie oft nicht aus“, sagt Radke. „Wer sich allein darauf verlässt, unterschätzt die tatsächliche finanzielle Belastung.“

In der Not: Diese Wege gibt es

Geraten Kreditnehmende in finanzielle Not, ist schnelles Handeln wichtig. „Wer abwartet, riskiert im schlimmsten Fall die Zwangsversteigerung“, warnt die Expertin. Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit der Bank oder dem Baufinanzierungsvermittler. Verschiedene Optionen können helfen, die finanzielle Durststrecke zu überbrücken:

  • Stundung: die gesamte Monatsrate des Hauskredits pausiert.
  • Tilgungsaussetzung: die Tilgung ruht befristet, es fallen nur Zinsen an.
  • Tilgungssatzwechsel: der Tilgungsanteil der Rate wird angepasst – sinnvoll bei längeren Engpässen.
  • Verkauf: Ist die Rate dauerhaft nicht tragbar und keine Besserung absehbar, bleibt als letzter Ausweg der Verkauf. Auch dann gilt: früh das Gespräch mit der Bank oder der Baufinanzierungsvermittlung suchen.

„Je früher das Gespräch, desto größer der Spielraum“, so Radke.

Bei einer Baufinanzierung zählt also nicht nur das Darlehen selbst. Ein belastbares Sicherheitskonzept kombiniert passende Versicherungen, genügend Rücklagen und flexible Vertragsoptionen. „Wer Risiken früh anspricht und gezielt vorsorgt, schützt seine eigene finanzielle Stabilität und die Familie“, fasst Radke zusammen.


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