Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft bei Union Investment: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Leitzinsen wie erwartet um 25 Basispunkte angehoben. Der Verlauf des Irankonfliktes hat diese Zinsanhebung nötig gemacht, um das Risiko einer dauerhaft erhöhten Inflation im Euroraum einzudämmen. Es ist die erste Zinserhöhung seit September 2023, der Einlagenzins liegt damit bei 2,25 Prozent.
Allerdings markiert dies nicht den Beginn eines neuen Zinserhöhungszyklus. Vielmehr dient die Anhebung der Zinsen als Sicherheitsvorkehrung, um mögliche Zweitrundeneffekte im Keim zu ersticken. Viel ist hierfür nicht nötig, denn der zuletzt schwächere Arbeitsmarkt in der Währungsunion macht deutliche Lohnsteigerungen wenig wahrscheinlich. Gleichzeitig will die EZB, das fragile Wachstum im Euroraum nicht durch eine restriktive Geldpolitik gefährden.
Wir gehen davon aus, dass die Straße von Hormus in den Sommermonaten wieder schrittweise geöffnet wird. Das sollte zu einer Normalisierung der Energiepreise führen und die Teuerung ohne weiteres Zutun der EZB mittelfristig in Richtung ihres Ziels von zwei Prozent senken. Die Erwartungen des Kapitalmarkts, dass die EZB im Jahresverlauf noch stärker an der Zinsschraube dreht, halten wir für übertrieben.

Michael Herzum (Foto: Union Investment)











