EZB erhöht Leitzins auf 2,25 Prozent – folgt der nächste Schritt schon im Herbst?

Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei ZKB/Swisscanto: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute wie von uns erwartet den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf nun 2,25 Prozent angehoben. Dieser Schritt begünstigt unserer Meinung nach tendenziell länger laufende Euro-Anleihen, da sich Investoren in einem unsicheren konjunkturellen Umfeld verstärkt in sichere Anlagen umorientieren. Gleichzeitig dürften Aktien zyklischer, binnenorientierter Sektoren unter Druck geraten. 

Ausschlaggebend für die Zinserhöhung der EZB war der Inflationsanstieg der vergangenen Monate, der primär durch höhere Energiepreise getrieben wurde. Gleichwohl bleibt es unserer Einschätzung nach fraglich, ob eine straffere Geldpolitik tatsächlich einen inflationshemmenden Effekt auslösen kann, ohne gleichzeitig die bereits angeschlagene Konjunktur zusätzlich zu belasten. 

Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr deutlich nach unten angepasst. Für die Eurozone sehen wir noch ein Wachstum von weniger als ein Prozent und für Deutschland von nahezu null Prozent. Unter diesen konjunkturellen Prämissen erscheint uns das Risiko erheblich, dass die heutige Zinserhöhung nicht nachhaltig ist und sich die Entwicklungen von 2011 wiederholen. Damals hatte die EZB die Zinsen zunächst erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Kurz darauf war sie allerdings gezwungen, ihre Entscheidung zu revidieren und die Zinsen angesichts der einbrechenden Konjunktur wieder zu senken.

Roger Rüegg (Foto: Swisscanto)

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