EXKLUSIV

Hitliste Maklerpools 2026: Wer gewinnt das Rennen der Riesen?

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren

Wie steht es nun im Rennen der beiden Pool-Riesen aktuell? Auf Basis der 2025er Zahlen hat Infitech die Nase knapp vorn. Fonds Finanz, DEMV und Verticus bringen es zusammen auf einen Rohertrag von 123,1 Millionen Euro. Die Roherträge von Blau Direkt und Netfonds, also der Warburg-Pincus-Unternehmen, summieren sich auf 117,8 Millionen Euro. 2026 bleibt spannend.

Die Übernahmen von Netfonds und Verticus sind die vorläufigen Höhepunkte im Konsolidierungs- und Konzentrationsprozess der Branche. Die Erklärungen der Unternehmen stehen dabei für einen weiteren Trend: Die Entwicklung ist hauptsächlich technologie- beziehungswiese KI-getrieben. Kleinere Pools und auch Vertriebe stoßen durch die rasenden Veränderungen schnell an ihre Grenzen, erst recht einzelne selbständige Finanzdienstleister oder Versicherungsvermittler. Auch das erklärt das rasante Branchenwachstum.

Kaum ein Makler kommt noch ohne (mindestens) eine Pool-Anbindung aus. Denn KI-Prozesse nicht nur technisch, sondern auch rechtlich einwandfrei aufzusetzen, erfordert einige Ressourcen. Hinzu kommt die ausufernde Regulierung, die trotz aller Beteuerungen der Politik in Bezug auf angeblichen Bürokratieabbau weiterhin auf die Branche einprasselt. Die Hilfestellung durch Pools ist da fast unerlässlich, zumal für die Umsetzung nicht nur IT-Fachleute, sondern auch Heerscharen von Rechtsanwälten erforderlich sind.

96 Prozent erwarten weiteres Wachstum

So wundert es nicht, dass die Maklerpools nahezu unisono weiteres Wachstum erwarten. Nur ein Pool antwortet auf die Frage, wie sich der Rohertrag des Unternehmens 2026 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich entwickeln wird, mit „unverändert“. Alle anderen erwarten einen steigenden Rohertrag (siehe Grafiken).

Zwar dürfte wie immer in dem einen oder anderen Fall auch ein Schuss Zweckoptimismus eine Rolle spielen, doch der „steigen“-Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr nochmals gewachsen: von 87,5 auf 96 Prozent. Das ist bemerkenswert hoch. Zum Vergleich: Bei der Umfrage zur Hitliste der Finanzvertriebe vor wenigen Wochen lag der „steigen“-Anteil bei der gleichen Frage in Bezug auf die Provisions-/Honorarerlöse 2026 nur bei 76 Prozent. Und das, obwohl auch dieses Segment im Vorjahr ordentlich gewachsen ist, wenn auch mit 5,5 Prozent gegenüber 2024 nicht ganz so dynamisch wie die Maklerpools (siehe Ausgabe 8/2026). 

Ebenfalls kaum überraschen wird, dass die große Mehrheit der Pools positive Auswirkungen des Themas KI auf ihr Geschäft erwartet: 83 Prozent. Immerhin vier Unternehmen sehen sich davon indes gar nicht/kaum betroffen. Deren Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr jedoch von 25 auf 17 Prozent gefallen. Negative Auswirkungen erwartet weiterhin kein Pool – ob die angeschlossenen Makler das auch alle so sehen, bleibt in dieser Umfrage allerdings offen.

AV-Reform positiv, EU-Kleinanlegerstrategie egal

Überwiegend Zustimmung findet auch die viel diskutierte Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Zwei Drittel der Maklerpools bewerten sie unter dem Strich positiv, ein Drittel steht ihr neutral gegenüber. Kein Unternehmen stuft die Reform als negativ ein.

Ein weiteres Gesetzesvorhaben, das erneut eine Flut an weiteren Vorschriften und neuen Dokumentationspflichten für den Vertrieb bringen wird, scheint die Branche hingegen noch nicht wirklich zu bewegen: Die gerade in ihrer voraussichtlichen Endfassung beschlossene EU-Kleinanlegerstrategie (RIS). 22 Unternehmen (92 Prozent) beurteilen die Auswirkungen der RIS als neutral, zwei sehen sie positiv. Negativ gestimmt ist auch in diesem Fall niemand. Seitdem ein ursprünglich diskutiertes Provisionsverbot vom Tisch ist, hat die Vorschrift offenbar deutlich an Brisanz verloren. 

Zurück zur Hitliste. Aufmerksamen Lesern wird nicht entgehen, dass ein wichtiges Unternehmen fehlt: die als Genossenschaft organisierte Vema, die im Vorjahr noch Rang fünf belegte. In diesem Jahr lehnte sie die Beantwortung der Fragebogens hingegen ohne Begründung ab. Der seit Januar 2026 amtierende Vema-Vorstandsvorsitzende Andreas Brunner scheint eine andere Politik zu verfolgen als sein Vorgänger Hermann Hübner, der die Zahlen in den beiden Vorjahren bereitwillig offen gelegt und die Besonderheiten der Genossenschaft erläutert hatte. 

Vema schweigt

Mitte Juli meldete die Vema dann aber per Pressemitteilung für 2025 eine Steigerung des Umsatzes um 24 Prozent auf 68,9 Millionen Euro. Bei der Genossenschaft wird der wesentliche Teil des Geschäfts direkt zwischen Versicherer und Makler abgerechnet und die Vema erhält lediglich eine Overhead-Gebühr. Das Provisionsvolumen des vermittelten Geschäfts, also Maklercourtage plus Vema-Overhead, lag der Mitteilung zufolge 2025 bei über 530 Millionen Euro. Das wäre deutlich mehr als Fonds Finanz.

Wie aus den Vorjahren bekannt ist, kann der eigene Vema-Umsatz wegen bestimmter Besonderheiten nicht eins-zu-eins als Rohertrag übernommen werden. Dieser dürfte auf Basis der Vorjahreszahl und der angegeben Steigerung eher in der Größenordnung von 55 Millionen Euro liegen, was für Rang vier oder fünf gereicht hätte. Der Jahresabschluss 2025 der Vema, in dem wahrscheinlich wieder die genaue Höhe nachzulesen sein wird, war bis Redaktionsschluss noch nicht im amtlichen Unternehmensregister veröffentlicht. 

Ohne Begründung lehnte auch Wifo (Vorjahr Platz 19) die Teilnahme diesmal ab, Qualitypool beantwortete zwar den Fragenkatalog, nannte aber wie in den Vorjahren keine Geschäftszahlen und wird deshalb erneut ohne Platzierung aufgeführt. Neu im Ranking finden sich hingegen SDV (Rang 14) und die Vfm Gruppe (Platz elf). Vfm hatte in den Vorjahren zwar Umsatzzahlen gemeldet, aber nicht den Rohertrag und war ohne Platzierung in der Marktübersicht.

Vfm betont Unabhängigkeit

Die inhabergeführte Gruppe betont ihre Eigenständigkeit in einem Markt, „der immer stärker von Übernahmen, Investoreninteressen und Konsolidierungsdruck geprägt“ sei: „Erfolgreiches Wachstum braucht weder Finanzinvestoren noch den nächsten Eigentümerwechsel – sondern ein belastbares Geschäftsmodell, klare Werte und echte Nähe zu Vermittlern und Marktpartnern“, heißt es im Statement von Vfm.

„Viele reden heute über Wachstum, meinen aber in Wahrheit Übernahmen, Investorenkapital oder neue Beteiligungskonstrukte. Wir zeigen, dass es auch anders geht“, betont Klaus Liebig, geschäftsführender Gesellschafter der Vfm-Gruppe. „Wir sind inhabergeführt, denken nicht in Exit-Szenarien und bleiben unabhängig. Genau das schafft Stabilität und macht uns für Vermittler und Produktgeber zu einem verlässlichen Ansprechpartner.“ Rumms!

So bleibt festzuhalten: Ohne Frage ist auch in der Branche der Maklerpools der Wettbewerb scharf, die KI-Entwicklung rasant und der Konsolidierungsdruck weiterhin hoch. Doch ein Entweder-oder muss es nicht unbedingt geben. Das Potenzial des Marktes ist so groß, dass genug Platz für viele ist und alle wachsen können – sofern sie gute und ehrliche Dienstleistungen sowie einen entsprechenden Mehrwert für die angeschlossenen Maklerinnen und Makler bieten.

1 2 3Startseite

Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments