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7. September 2012, 15:24
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Unisex-Tarife – das Dossier zum Thema

Ab dem 21 Dezember 2012 müssen die Versicherer auf Unisex-Tarife umstellen. Die Beiträge dürfen dann nicht mehr vom Geschlecht beeinflusst werden. Die neue Rechtsprechung führt dazu, dass sich Neuverträge vor allem für Männer in vielen Sparten verteuern.

Unisex-Tarife: Für Frauen wird es oftmals günstiger

 

„Bislang müssen Frauen durch ihre höhere Lebenserwartung und weil sie häufiger zum Arzt gehen in der privaten Krankenversicherung höhere Beiträge zahlen. Andere Versicherungen, wie beispielsweise die Kfz-Versicherung, sind für Frauen momentan noch günstiger als für Männer. Nun werden sich die Beiträge durch die Gleichstellung von Männern und Frauen angleichen“, fasst Albert Gottelt, Chefredakteur vom 1A Verbraucherportal, die Auswirkungen der Umstellung zusammen.

Während sich für Altverträge durch das EuGh-Urteil vom 11. März 2011 nichts ändert, betrifft die Neuregelung nahezu alle privaten Versicherungspolicen, die ab dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen werden.

Dabei müssen sich Männer in diesen Versicherungsbereichen auf Teuerungen einstellen, für Frauen wird es im Gegenzug günstiger:

– Private Rentenversicherungspolicen (inklusive betriebliche Altersvorsorge)

– Rürup-Rentenversicherungen

– Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen

– Pflegezusatzversicherungen

– Private Krankenvoll- und zusatzversicherungen

In den folgenden beiden Sparten verhält es sich umgekehrt, das heißt Frauen müssen künftig tiefer in die Tasche greifen, während das „starke Geschlecht“ auf Vergünstigungen hoffen darf:

– Kfz-Versicherungen

– Risiko-Lebensversicherungen

Geschlechterdiskriminierung zu Gunsten der Versicherer?

Laut der Verbraucherzeitschrift „Finanztest“ nutzen die Versicherer die Aufhebung der Geschlechterdiskriminierung zu ihren Gunsten: „Die Preise gehen deutlich nach oben, dort, wo es billiger werden muss, aber nur mäßig nach unten“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Dies habe eine Stichprobe bei elf großen Versicherungsunternehmen gezeigt, so die Verbraucherschützer.

Für diese Entwicklung gibt es aus Sicht von Dirk Bohsem, Leiter Kunden- und Vertriebsmanagement vom Wieslocher Finanzdienstleister MLP, gute Gründe: „Dass sich die neuen Unisex-Beiträge eher in Richtung des bislang teureren Geschlechts einpendeln werden, liegt an dem notwendigen Sicherheitspuffer in den Kalkulationen der Anbieter.“ So seien die Gesellschaften auch gesetzlich angehalten, vorsichtig zu kalkulieren, betont Bohsem.

Zudem sei schwer abzusehen, welche Wanderungsbewegungen der Versicherten es zwischen den alten und den neuen Tarifen geben werde. Um hier nachhaltig tragfähige Tarife anbieten zu können, müssten die Versicherer entsprechende Finanzpolster aufbauen. Nach Angaben des MLP-Fachmanns ist es unstrittig, dass Kunden durch diese Risikoabsicherung nicht benachteiligt werden dürfen. Nach gesetzlicher Vorgabe müssen Kunden deshalb bereits an den Risikogewinnen beteiligt werden – und das mit 75 Prozent.

Viel Arbeit für Versicherungsberater

Klar ist: Auf die Versicherungsberater kommt viel Arbeit zu, denn wenige Monate vor der Vereinheitlichung ist das Thema Unisex-Tarife für viele Deutsche nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Der Münchener Maklerpool Fonds Finanz sieht sich trotzdem gut gerüstet für den Vertriebsendspurt 2012, sagt Christine Liebenow, Abteilungsleiterin Kranken, im Cash.-Interview.

Auch der Geschäftsführer der Honorarberatungsgesellschaft Minerva KundenRechte Nicola Ferrarese hat im Jahresendgeschäft viel zu tun. Sein Unternehmen hat sich auf die private Krankenversicherung (PKV) spezialisiert. Im Gespräch mit Cash. gibt er Tipps, wie sich insbesondere PKV-Bestandskunden jetzt verhalten sollten. (lk)

Foto: Shutterstock

Sie möchten die aktuellen Entwicklungen im Bereich Unisex-Tarife nachverfolgen? Finden Sie hier die Berichterstattung der letzten Monate in chronologischer Reihenfolge:

5. September 2012: Maklermanagement mit Beratungskonzept zu Unisex

4. September 2012: Unisex-Tarife: Jeder zweite Deutsche liegt falsch

28. August 2012: WWK forciert Unisex-Endspurt mit neuer BU-Nachversicherungsoption

9. August 2012: Unisex-Tarife: Deutsche sind unzureichend informiert

9. August 2012: Unisex-Tarife: Zurich startet Vergleichsrechner

7. August 2012: Unisex-Neuerungen bei Gothaer und Canada Life

1. August 2012: Berufsunfähigkeit: Neue Unisex-Tarife bei Swiss Life

30. Juli 2012: Vor Unisex-Stichtag: Dialog verbilligt Risikolebentarif für Männer

26. Juli 2012: Volkswohl Bund garantiert Unisex-Tausch

23. Juli 2012: DGbAV warnt Männer vor verteuerter Betriebsrente

18. Juli 2012: Unisex-Tarife: Honorarkonzept bietet Marketing-Kit

21. Juni 2012: Unisex-Tarife: Volkswohl Bund bietet Rechner

4. Juni 2012: Unisex-Tarife: Makler fühlen sich unzureichend informiert

24. Mai 2012: Unisex-Tarife: Gothaer bietet Wechsel-Option

12. Mai 2012: Online-Beratungstool: BBV bietet Unisex-Rechner

2. Mai 2012: Pflegeabsicherung: Ideal startet Unisex-Tarif

4. April 2012: Unisex-Tarife: Continentale wirbt mit Bestandsschutz

15. Februar 2012: Domcura stellt Pflegezusatzversicherung auf Unisex um

10. Februar 2012: Unisex: Mehrheit der Deutschen kennt die neue Regelung nicht

1. Februar 2012: Betriebliche Altersvorsorge: Kölner Pensionskasse führt Unisex-Tarife ein

5. Januar 2012: Continentale freut sich über Unisex-Nachbesserung

 

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